Freemium – Erfolgsmodell für Digitalcontent?
Das Konzept scheint einfach und erfolgversprechend – biete exklusiven Content gut verschlüsselt in einem exklusiven Mitgliederbereich an und bitte deine Interessenten dafür zur Kasse. Diese zahlen dafür natürlich gerne, denn sie erhalten ja auch eine entsprechende Gegenleistung. Auf kurze Sicht bringt diese Art der Bindung wirklich den erhofften Geldfluss und funktioniert in der Theorie auch. Langfristig ist dies aber fraglich und praktisch gibt es dabei einige Tücken.
Ein spontanes Beispiel: Der lange Trudelkurs der Times mit paid-content, bis schließlich das Online-Archiv doch frei zugänglich war.
“Das Ende der klassischen Medien” … “Das Internet macht alles kaputt” höre ich schon die Gegenseite schreien…
Meine Theorie: Keiner ist schuld daran, es ist lediglich eine Verkettung von aufeinander aufbauenden Umständen, denn:
Das Internet ist gekennzeichnet durch einen hochgradigen Überfluss an allem. Nahezu alles ist auffindbar und das auch noch vielfach redundant. In jedem Markt ist Preisverfall die logische Folge bei einem Überangebot. Warum also nicht auch im “Markt” des Informationsangebots. Im Fall des digitalen Contents ist einfach nur die absolute Null-Grenze erreicht.
…Erneuter Aufschrei… OK, OK eine Einschränkung:
Es wäre sicherlich falsch, die Inhalte der Times, Zeit, Spiegel und des Handelsblatts etc. (alles nur exemplarisch) mit frei zugänglichen Inhalten gleich zu setzen die womöglich auch noch auf eigener Meinung basieren.
ABER: Auch in dieser Hinsicht hat sich die Situation verändert. Noch vor einigen Jahren von Jean-Remy von Matt als “Klowände des Internets” beschimpft, haben sich Blogs einem starken qualitativen Wandel unterzogen. Unternehmen, Manager und Anwälte führen mittlerweile auch Blogs und liefern damit teilweise hochinformativen Input. Über die experimentelle Meinungsäußerung von einigen Teenagern in Gründerzeiten von blogger geht dies weit hinaus. Über Verlinkungen auf die Nachrichtenseiten von diesen professionellen (teils hochfrequentierten) Blogs aus profitieren plötzlich also auch die “Großen”.
Wo ist also der Haken die Inhalte zugänglich zu machen? Die potenziell unendlichen Verlinkungen bedeuten ein Vielfaches an Seitenbesuchern gegenüber den zahlenden Kunden auch wenn auf den ersten Blick etwas “umsonst” hergegeben wird.
Ich versuche mal ein Profil von einem durchschnittlichen Informationssuchenden zu erstellen. Auf der Suche nach Informationen bemüht dieser im ersten Schritt eine Suchmaschine seiner Wahl. Dann
- möchte er unkompliziert und schnell an den gewünschten Input gelangen.
- bedeuten Anmeldevorgänge sofort das Aus für die betreffende Seite wo die Information stehen könnte da andere es einfacher anbieten.
- scheiden alle kostenpflichtigen Angebote sofort aus, da es mindestens ein anderer auch gratis bietet
- steht der Inhalt im Vordergrund und erst dann die Seite selbst so lange die Quelle stimmt. Die Erfahrung hat ihm gezeigt, das es mittlerweile im Internet genug qualitativen Content gibt und die Verfasser auch unter “Leistungsdruck” stehen und sich gegen andere profilieren wollen.
- sind Verweise auf Nachrichtenquellen in einem Artikel eine willkommene Anreicherung. (Hier schließt sich der Kreis)
Das eigentlich interessante Geschäft ist doch nicht das mit den Endkunden, sondern die Bindung von ganzen Nutzergruppen. Die dort untereinander gegebenen Empfehlungen sind darüber hinaus nochmals ein Vielfaches von Adclicks wert. Wieso also nicht eine Basisversion frei zur Verfügung stellen und als Bonbon noch denen einen Exklusivpaket schnüren, die nicht genug bekommen können? Voila: Freemium (Verschmelzung aus “Free” und “Premium”)
Bei vielen Webdiensten funktioniert es, wieso also nicht auch bei digitalen Inhalten?
Zwei prominente Beispiele aus der Musikbranche sind das kostenlose Nine Inch Nails Album mit optionaler kostenpflichtiger Special Edition und das Live-Album von Coldplay.
RSS (Beiträge)
Twitter