Freunde als Tauschware – oder: Wie kopiere ich mir einen Freund mit wenigen Klicks?
Neulich bei Facebook: Beim Check der Neuigkeiten meiner Kontakte fällt mir oben rechts im Fenster folgender Hinweis auf: “Person XY hat nur 18 Freunde – hilf ihr mehr zu finden”.
Diese digitale Welt ist schon komisch. Es kommt mir so vor, als ob die Anzahl der Freunde sich proportional zum Mooreschen Gesetz zu verhalten scheint. Alle 24 Monate müssen es doppelt so viele sein um mit dem Trend mitzuschwimmen. Wird es dadurch aber besser? Klar sorgt die Digitalisierung für eine immens gesteigerte Reichweite jedes einzelnen Partizipienten und dadurch auch für mehr Kontakte. Nur diese Art der Ansprache wie sie Facebook betreibt verleitet doch nur so zur Oberflächlichkeit. Zur Steigerung des eigenen Karmas sucht man der betreffenden Person doch gerne mal ein paar Leute von sich raus die er kennen könnte oder nicht? Hauptsache der arme Kerl muss mit seinen “nur” 18 Freunden nicht mehr so traurig und allein darstehen.
Damit will ich nicht sagen “früher war alles besser… jammer jammer”. Nein, damit würde man sich entschieden gegen den Fortschritt wehren und das will ich nicht. Ich bin überzeugt das in jedem Fortschritt etwas positives steckt. Die Herausforderung besteht darin diesen neuen Möglichkeiten angemessen zu begegnen und für sich zu nutzen.
Soziale Netzwerke verschmelzen immer stärken mit unserem “echten” Leben. Sei es bei den so gennanten “Social Games” wo man echtes Geld für Spieldollars eintauschen kann oder einfach nur seine Ansammlung von Kontakten, auch liebevoll “Freunde” genannt. Ein Großteil der Nutzer kann teilweise nicht mehr unterscheiden wo man sich gerade aufhält (digital oder real), davon bin ich überzeugt. Dabei wird die Trennung doch immer wichtiger. Natürlich befinden sich auch in meiner Kontaktliste “echte” Freunde und ich will damit diese auch auf keinen Fall beleidigen. Vielmehr will ich auf die oberflächlichere Handhabung hinweisen. Die kritische Hinterfragung wird immer wichtiger.
Es fängt schon bei der Definition des Wortes “Freund” an. In der digitalen Welt ist dies für mich eher ein “Kontakt” bzw. Teil eines Netzwerks von Kontakten mit denen man untereinander erfolgreicher ist. Freunde kann man doch nicht einfach per Empfehlungsfunktion von Facebook verdoppeln und kopieren wie eine MP3! Sie sind für mich heute genauso rar wie “damals”. Wer 378 “Freunde” bei Facebook hat kann immernoch völlig alleine in der realen Welt darstehen und sich eine Person wünschen auf die er sich verlassen kann. Vielleicht hat die Person der ich mehr “Freunde” empfehlen soll ja auch dieses Verständnis und hat nur die engsten Vertrauten im direkten Wortsinn des “Freundes” in ihrer Kontaktliste.
Und genau hier liegt der Punkt, an dem sich die Medienkompetenz jedes Einzelnen festmacht. Schafft man es einen Nutzen aus den neu verfügbaren Möglichkeiten zu ziehen und sich darüber abzuheben oder schwimmt man in der Masse mit? Der adäquate Umgang und die Wahrung einer kritischen Haltung wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Schafft man dies nicht, dann geht jede Kritikfähigkeit verloren.
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