Beiträge vom November, 2009

Kein Ende, eher Evolution – Zeitungskonzepte mit Zukunft

Freitag, 27. November 2009 15:07

Den heutigen Journalisten wird ja eine schwere Zeit prophezeit. “Das Ende des Qualitätsjournalismus” wird des öfteren proklamiert und vorausgesagt. Aber Extreme gibt es ja immer.

Ich versuche mich mal an einer etwas vorsichtigeren Auseinandersetzung mit dem Thema. Aber wo fange ich am besten an? Vielleicht beim angeblichen Problemkind selbst: Print

Hier neben mir liegt gerade Die Zeit. Einmal wöchentlich erscheinend, über 100 Seiten stark. Letzten Monat konnte man wie auch im 2. Quartal 2009 eine erneute Rekordauflage verkünden. Klingt nicht gerade nach “dem Ende” oder?

Auf der anderen Seite kämpfen natürlich viele Verlage seit Jahren mit sinkenden Auflagen. Dies ist aber meist bei Tagesaktuellen Medien zu beobachten oder hat noch ganz andere Gründe. Ganz aktuell beweist Welt Kompakt mit dem neuen Konzept das es auch 2009 im Tagesgeschäft funktionieren kann.

Meiner Meinung nach liegt der Knackpunkt vor allem in der Art der Information die geboten wird. Die Abwanderung der Konsumenten in den digitalen Sektor (Nielsen, PDF) geht mit einer akuten Forderung nach Geschwindigkeit einher. Entweder der Leser erhält also die Info noch bevor sie “kalt” ist oder sie ist uninteressant. Mit Print kommt man da einfach nicht mehr hinterher wenn man z.B. versucht mit Twitter zu konkurrieren.

Zweiter wichtiger Punkt ist die Zuwendung zum sozialen Umfeld. Infos werden vor allem aus direkten Empfehlungen entnommen die aus dem unendlichen Vorrat des Internets ausgegraben werden.

Einen Haken hat die Sache aber. Schlauer wird man nur bis zu dem Punkt, an dem man sich vom Informationsgehalt im Kreis dreht. Denn vielfach wird auch einfach redundant verlinkt und eigentlich alte Dinge als neu verkauft.

Was also tun? Ich sehe da konkret zwei Wege die offensichtlich auch in der Praxis funktionsfähig sind:

  1. Man macht es wie Die Zeit und bietet Content den “die Internetgemeinde” (so nenne ich sie frecherweise einfach mal um den Unterschied plakativer zu machen) nicht bieten kann. Das sind Hintergrundberichte, Detailinfos und Verweis auf Auswirkungen in einem viel größeren Dimension als man teilweise erahnen kann ohne entsprechende Kontakte. Kurz: Man liefert exklusiven Content dessen Lektüre einen wirklichen Informationszuwachs verspricht und einem höheren Ziel dient (Sozialisation).
  2. Man macht es wie die Welt Kompakt und verknüpft “herkömmlichen” Content mit interaktiven Features und macht die Tageszeitung zu einem kleinen interaktiven Spielplatz (QR-Codes). Etablierung eines Zusatznutzens also.

Generell würde ich sagen die Leser wenden sich von allem ab, was sie auch gratis oder selbst erreichen können. Bei den obigen zwei Wegen sind aber Privatpersonen die Hände mehr oder weniger gebunden. Denn solche Aspekte sind nur in einem größer angelegten Rahmen umsetzbar. Für mich ist das also eher eine Auslese und Verlagerung der Verhältnisse und kein “Ende”. Am Ende werden nur die sein die sich nicht neuen Verhältnissen anpassen wollen.

Thema: Gedanken | Kommentare (1) | Autor: Simon

Das Internet vergisst nie – sollte es besser?

Samstag, 21. November 2009 10:28

Die Menschen sind schon ein lustiger Haufen. Zufriedenheit ist eigentlich ein Fremdwort. Die Lage kann noch so perfekt sein – Einen Aspekt zum meckern findet man dennoch immer.

So ähnlich ist das auch mit dem Internet. Es hat für eine Menge an positiven Veränderungen gesorgt. Wir leben heute in einem Schlaraffenland aus Informationen. Wie jede gute Sache gibt es aber auch hier einige Kehrseiten die es in sich haben.

Eine davon ist auf jeden Fall das potenziell unendliche Gedächtnis. Inhalte die einmal online sind werden es dort auch aller Wahrscheinlichkeit nach für immer bleiben. Und selbst wenn der User etwas löscht existieren immer noch unkontrolliert viele Backups bzw. andere User haben es auf ihren eigenen Rechner kopiert und laden es freundlicherweise wieder hoch.

Um dieses hydraähnliche Verhalten hat sich inzwischen eine eigene kleine Industrie gebildet. Reputationsmanagement nennt sich das. In manchen Fällen ist aber selbst ein Profi machtlos weil die Inhalte bereits auf zig anderen Servern kopiert liegen. (Newsaggregatoren z.B.)

Wäre es nicht von Vorteil wenn man online seine (unter Umständen nicht perfekte) Vergangenheit nicht jede Sekunde durch eine einfache Suche parat hat bzw. sie wie im “echten” Leben auch hinter sich lassen kann?

Sich sogar vielleicht davon distanzieren? Im Sinne von “Nein, das war ich früher! Heute ist alles anders.”

Sicher wäre es das. Nur das ist meiner Meinung nach eben der “Preis” den man für soviel Fortschritt wie ihn das Internet bringt zu zahlen hat. Genau betrachtet ist es ja eigentlich gar nichts negatives. Der Benutzer wird genau genommen lediglich dazu animiert genauer über seine Tätigkeiten und weiterreichende Folgen nachzudenken. Es kursieren ja immer mal wieder Stories über Bewerbungsgespräche, in denen dann die Partyfotos von letztem Monat auf den Tisch gelegt werden. Klar gibt es das, nur das sind sicher auch die Extremfälle.

Es ist heute wichtiger denn je seine eigene digitale Identität mit Sorgfalt aufzubauen. Noch wichtiger ist aber der angemessene Umgang mit den Möglichkeiten des Internets. Oder sollte ich sie lieber Verlockungen nennen? Das trifft es wohl eher. Wo wir auch bei meinem aktuellen Lieblingsthema wären – Medienkompetenz. Bei einem halbwegs richtigen Umgang und Bewusstsein über sein eigenes Handeln in Bezug auf den Online-Auftritt kann man selbst schon einen großen Teil dazu beitragen das richtige Bild von sich online zu finden. Nicht umsonst gilt sie als Schlüsselkompetenz der digitalen Gesellschaft. Die Personen, die dies verstanden haben werden daraus eben Vorteile ziehen können.

Leander Wattig hat in diesem Zusammenhang auch vor kurzem einen interessanten Gedanken niedergeschrieben. Er spricht dort auch das “Vergessen” des Internets an. Genauer gesagt das Altern einer virtuellen Identität und damit das Zurücklassen der digitalen Vergangenheit.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

RED EPIC-X – Ist Video das bessere Foto?

Dienstag, 17. November 2009 8:30

Bevor es losgeht hier vorab ganz kurz die wichtigsten technischen Daten die für das Verständnis des folgenden Artikels evtl. hilfreich sind:

  • Megapixeltechnisch ist der Stand der Technik bei Digital-Spiegelreflex aktuell 24MP (z.B. Nikon D3X)
  • Serienbilder schießt Nikons Flaggschiff D3S mit 11 Bilder/Sek., Canon mit 10 Bilder/Sek.
  • Fast alle Hersteller von digitalen Spiegelreflex-Kameras bauen mittlerweile eine HD-Videofunktion (720p oder 1080p) als Zusatzfeature in ihre Geräte ein
  • Hasselblad usw. lasse ich mal außen vor weil diese Kameras einen anderen Anspruch verfolgen

Worum es mir aber geht ist das hier. RED, bekannt für seine wahnwitzig ambitionierten Kamerakonstruktionen, hat einen Teil seiner Ankündigungen aus der Vergangenheit wahr gemacht und eine Videokamera vorgestellt, die in der Lage ist 5220 x 2740 Pixel Videoauflösung bei 1-100 fps zu liefern. RED nennt das “5K”.

Den neuen Sensor kurz in eine Suchmaschine eingegeben und man stößt auf diese Testbilder.

5220 x 2740 Pixel. Das sind 14,3 Megapixel. Das schafft heute so mache “echte” Fotokamera nicht bzw. nur mit unansehnlichem Rauschen weil die Technik zu Werbezwecken überstrapaziert wurde. Die Bildqualität und Tiefenschärfe sind ebenfalls konkurrenzfähig mit einer Fotokamera.

Noch kostet das Ding zwar mind. 28000$ und ist auch ein Prototyp. Doch ein ehemaliger Großrechner ist heute auch auf die Größe eines Handyprozessors geschrumpft. Ja ich weis, der Vergleich ist überstrapaziert, einmal musste er aber noch herhalten.

Für mich liegen die Vorteile auf der Hand wenn Video und Foto sich annähern und vielleicht in ganz ferner Zukunft auch mal verschmelzen. Zukünftig filmt man einfach ein Motiv mit 100 fps und sucht sich dann den perfekten Frame als Bild raus. Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass ich genau VOR und NACH dem besten Bild ausgelöst habe.

Hier noch etwas zum träumen:

Thema: Fotografie / Film | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Spam – Die dumme Art zu nerven, von Twitter

Freitag, 13. November 2009 14:21

091113-Twitter_spam

Es gab mal eine Hochzeit in der ich eine dreistellige Anzahl an Spam-Mails pro Tag erhalten habe. Diese Zeit ist glücklicherweise vorbei. Nach aktuellen Zahlen von Bitkom scheinen aber immer noch mehr als 90% des Mailverkehrs aus Spam zu bestehen. Ich scheine da also eine Ausnahme zu sein, denn mein Verhältnis von Spam zu echten Mails liegt aktuell bei nur ca. 20%. Und das obwohl meine E-Mail-Adresse frei im Web zu finden ist.

Jetzt gibt es da ja so eine tolle Erfindung wie Twitter. Dort bekommt man mehr oder weniger “persönlich” Inhalte empfohlen von Personen denen man folgt (Following). Ich bekomme in letzter Zeit immer häufiger Benachrichtigungen von Twitter, dass Person XY mir nun folgt. Schaue ich nur kurz auf die Details dann weis ich das das nicht ernst gemeint sein kann (siehe Bild oben).

“Klassischen” Spam erhalte ich wie bereits erwähnt nur noch sehr wenig. Nur was ist eigentlich Spam? Für mich ist das eine E-Mail die keine Bedeutung für mich hat und deren Inhalt ich ohne gefragt zu werden zugestellt bekomme. Das Interesse beim Rezipienten ist gleich Null und sie wandert nach spätestens einer Sekunde in den Papierkorb. So auch bei den Auszügen aus den Twitter-Benachrichtigungen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum möglich ist mehr als 50 Personen/ Institutionen bei Twitter wirklich aufmerksam zu folgen und den geposteten Links auch wirklich nachzugehen. Es sei denn man hat dies als Hauptbeschäftigung auserkoren. Wie man aber an den Screenshots oben sehen kann werden vermutlich einfach nur Tags von Bots gefiltert und dann der User hinter dem Tweet als “Following” hinzugefügt. Gefestigt hat sich diese Vermutung nach folgenden Tweet:

091113-Twitter_hashtag

Unmittelbar danach habe ich vier solcher E-Mails im Posteingang gehabt. Ich denke einmal aufgrund eines zu diesem Zeitpunkt sehr aktuellen Themas und dann aber auch wegen des Hashtags #Apple.

Meiner ständig schwankenden Anzahl an Personen die mir bei Twitter folgen entnehme ich außerdem, dass dies wohl noch einigen anderen Leuten so geht und diese Personen melden. Ich habe mich lange gegen Twitter aus mehreren Gründen verweigert, habe es dann aber doch als wertvolle Informationsquelle für die Recherche entdeckt. Das Thema Spam war mir aber von Anfang an negativ aufgefallen.

Diese penetrante Art andere Leute auf sich aufmerksam zu machen halte ich für äußerst dumm. Twitter ist ein hochpersönliches Medium. Die Effektivität basiert fast vollständig auf dem gezielten Auswählen von Leuten die für einen selbst etwas relevantes zu sagen haben (So nutze ich jedenfalls Twitter). Auf die Weise wie es bei Twitter aber immer mehr zur Marotte wird sind wir wieder beim Spamniveau von vor 10 Jahren angekommen. Man wird zugeballert mit Informationen die man nicht haben will und ist nur noch genervt. Glücklicherweise kann man die Benachrichtigungen über neue Floower ja abstellen. Mir geht es aber mehr um die Art auf sich aufmerksam zu machen.

Klar müssen auch die Spammer (hört sich ja fast schon an wie ein Beruf) mit der Zeit gehen und sich neue Wege suchen ihren Müll an die Leute heranzutragen. Nur vielleicht sollten sie da nochmal etwas besser überlegen ob das wirklich der richtige Weg ist. Vierstellige Following-Zahlen halte ich selbst für sehr unglaubwürdig und sind für mich immer ein klares Anzeichen dafür, dass die betreffende Person (ich rede nicht von News-Aggregatoren! – z.B. für den Raum Köln) entweder nur aus “Nettigkeit” mir auch folgt oder es pures heischen nach Aufmerksamkeit ist.

Achja, Spam in sozialen Netzwerken ist genauso ineffektiv…

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Forum Mediendesign 2009 – Gutes Design bis in den letzten Winkel

Montag, 9. November 2009 22:04

Am Samtag, 07.11.09, fand im Filmforum des Museum Lugwig das Forum Mediendesign der RFH statt.

Ich als alter Stammgast seit 2007 kann mit voller Überzeugung sagen, dass auch dieses Jahr wieder ein großer Schritt nach vorne gemacht wurde. Soviel schon vorne weg.

In Bezug auf die Qualität der Referenten aber auch die Organisation hat es einfach großen Spaß gemacht dort zu sein. Das Konzept war diesmal wirklich nahezu perfekt bis ins Detail umgesetzt und in die Location integriert.

091109-Forum_Mediendesign_Collage

Von der Eingangstreppe über die Snacks an der Bar (Kochschinken mit Salat, zwei nicht näher identifizierbare Kuchensorten. Wink mit dem Zaunpfahl: Pink und Grün) bis hin zur Dekoration auf den Toiletten wurde man in das diesjährige Motto “Gutes Design” auf sehr charmante Weise komplett eingehüllt – farblich wie inhaltlich. So muss das sein.

Die Referenten waren dazu eine sehr gut dosierte Mischung aus “Wo geht es hin mit der digitalen Gesellschaft?” (Peter Wippermann) über “Wie glänze ich mit dem perfekt inszenierten Nutzererlebnis als Installation?” (Joachim Sauter) bis hin zu ganz handfesten Designthemen wie Anzeigendesign, Filmsprache und Typographie. Die Referenten hätten dabei kaum vielfältiger sein können. Es hat durchweg Spaß gemacht den extrem kurzweiligen Beiträgen zuzuhören und seinen eigenen Horizont zu erweitern. Klar liest man täglich in den Blogs seiner Wahl, doch es von einem Experten nochmal bestätigt zu bekommen tut immer gut und sorgt für Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist. Sehr erfrischend war darüber hinaus auch der mehrfache Appell an die Studenten und Anwesenden eine eigene Haltung zu der Medienbranche zu entwickeln und dieser auch treu zu bleiben.

Wer zwischendurch Zeit hatte (was durchaus ein Luxus war bei dem ganzen Input den es gab) konnte sich mit seinem ganz persönlichen Geschenk beschäftigen, das er am Eingang erhalten hatte (siehe Bild unten). Mit Hilfe der Brille wurde der Weg freigemacht für einen der Leitsprüche des Forum Mediendesign 2009. “Gutes Design ist unsichtbar”. Die Speisekarte war übrigens auf die gleiche Art zu lesen. So konnte man sogar den einen oder anderen beobachten der mit aufgesetzer Brille an der Theke bestellte.

091109-Forum_Mediendesign_Brille

Jeder Besuch beim Forum Mediendesign war bisher eine echte Bereicherung, die ich nicht mehr missen möchte. Wo sonst bekommt man so viel tolle Ideen und hochkarätige Gedanken an einem Fleck geboten? Man muss sozusagen nur noch zugreifen. Dieses jahr wurde der Vogel aber im positiven Sinne abgeschossen!

Wie waren eure Eindrücke?

Thema: Sehenswertes | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Groß, größer, Bayer – Nun steht die weltgrößte Medienfassade in Leverkusen

Freitag, 6. November 2009 8:00

Die Bayer AG hat die Vorzüge einer dreidimensional erlebbaren Marke verstanden und wandelt seine ehemalige Firmenzentrale in eine gigantische Medienfassade um.

Hier sind einige Fakten die man mal kurz auf sich wirken lassen sollte: 5,6 Mio. LED’s, 122m Höhe, größte Medienfassade der Welt (nach eigenen Angaben)

Im Clip wird die Bedeutung angesprochen die das Gebäude für Leverkusen in der Vergangenheit hatte und wie es das Stadtbild geprägt hat. Durch den Umbau soll diesem ehemalige Wahrzeichen nun neues Leben eingehaucht werden und für überregionale Strahlkraft sorgen.

Auch spannend finde ich dieses Bauprojekt in Zusammenhang mit dem Claim “Science For A Better Life”. Zwar wird diese Medienfassade nicht (über)lebenswichtig für die Anwohner sein. Einen Beitrag zur möglicherweise positiven Veränderung leistet sie aber allemal durch die noch nicht dagewesenen Lichtspiele. Somit gliedert sich das Projekt auch in die Unternehmensphilosophie ein. Direkten Bezug auf den Claim nimmt der Zulieferer der LED-Matten. Dieser besitzt einzigartiges Know-how zum Weben von Stahldraht um diese Matten zu erstellen die sicherlich auch vielfältig anders eingesetzt werden.

Schön wäre es, wenn Bayer nicht nur in der Dimension “neuartiges Kommunikationsinstrument” denkt (so wie es im PR-Beitrag genannt wird) sondern den Anwohnern vielleicht wirklich ein noch nicht dagewesenes Medienereignis beschert ohne direkte Werbeabsichten.

Thema: Sehenswertes | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon