ATI – Wenn Marketing der Technik voraus ist

Ich sitze hier und starre immer wieder gespannt auf aktuelle Preise. Die neue Grafikkarte steht schon längst fest. Es wird eine ATI Radeon der HD5000-Serie. Doch wo eigentlich Vorfreude sein sollte macht sich bei mir immer stärker Unmut und Ablehnung breit.

Aber der Reihe nach:
Im Oktober kündigt ATI die neueste Generation seiner Radeon-Serie an, die HD5000-Modelle. In der Zeit danach brennt ATI ein regelrechtes Modellfeuerwerk ab und überflutet den Markt mit Produktankündigungen. Mittlerweile ist das gesamte Portfolio auf die neue Modellgeneration umgestellt. Alle Modelle von Low-End bis High-End sind auf den Markt gespuckt und der Käufer hat die Qual der Wahl zwischen einer umfangreichen Modellvielfalt. Super Sache!

Dies gilt aber nur in der Theorie. Denn nun haben wir Ende Februar und die Karten sind immer noch Mangelware. Völlig überzogene Preise sind die Folge, teilweise 50% über UVP. Trauriges Beispiel: Eine HD5850 geht, UVP ca. 200 EUR, selbst online aktuell für ca. 250 EUR – 300 EUR über den Tisch. Sowas tut einfach nur weh!

Im Internet machen Meldungen die Runde, dass TSMC (Chiphersteller für die GPUs) akute Probleme mit der Chipausbeute der Highend-Modelle haben soll. Diese werden im brandneuen 40nm-Prozess gefertigt und die Ausbeute soll bei nur 20% liegen. So ist es kaum verwunderlich das der Markt, besonders bei den Highend-Modellen, nicht ausreichend bedient werden kann. Ist ja auch alles kein Problem, ist eben eine neue Technik und dem Wettbewerber um einiges voraus.

Wären da nicht Meldungen, dass eigentliche “Ausschuss-Chips” in eine abgespeckte Karte wandern sollen. So etwas verursacht nämlich bei mir einen akut unangenehmen Beigeschmack. Mit allen Mitteln behaupten wollen, man ist dem Wettbewerber voraus und hintenrum mit künstlich verknappten Beständen und aufgewärmten “Quasi-Neuheiten” das Geld aus den Kunden pressen.

Die momentane Marktsituation lässt so etwas aber auch leider hervorragend zu. Denn der einzige Wettbewerber, Nvidia, lässt schon länger mit einem echten Update der Produktpalette auf sich warten und wärmt stattdessen alte Chips wieder auf. Die wirkliche Neuheit, Fermi, wird aktuell mit Ende März gehandelt. Aber auch nur die HighEnd-Modelle. Somit lässt echter Wettbewerb weiter auf sich warten und es gibt keinen direkten Preis-Leistungsvergleich.

Zwischen den technischem Möglichkeiten und der Strategie der Marketingabteilung klafft hier eine deutliche Lücke. Klar hört es sich toll an, wenn man verkünden kann, das schon wieder eine neue Produktgeneration auf dem Weg ist. Läuft es aber so wie aktuell, dann mit akutem Jojo-Effekt. Ich kann nur für mich sprechen wenn ich sage, dass ich mir unter diesen Umständen keine neue Hardware zulegen werde. Aber ich denke da bin ich nicht alleine.

Ganz aktuell: Heute hat ATI die bereits in Gerüchten gehandelte HD5830 offiziell vorgestellt und sich damit meiner Meinung nach das nächste Eigentor geschossen (siehe Fazit des verlinkten Artikels). Wer kauft eine Karte, die 15-20% Mehrleistung bringt dabei aber um 60-70% teurer ist? Ich weis es nicht.

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Autor: Simon
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2010 12:05
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2 Kommentare

  1. 1

    Dort wo es neue Technik gibt, gibt es auch genug Idioten die fuer ein bisschen mehr Leistung sich das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Teilweise ja braucht es ja noch nichtmal mehr Leistung, siehe die ganzen Apple-Fanboys…

  2. 2

    Da kann ich Nils nur zustimmen. Die kleine Leistungssteigerung macht diese Karte zur ABSOLUTEN High-End-Karte und wird von den größten Geeks natürlich sofort gekauft. Das Thema Hardwarekauf ist immer sehr schwierig und manche wollen nunmal immer das Beste haben und sich nicht mit 15% weniger Leistung zufrieden geben müssen…