Beitrags-Archiv für die Kategory 'Gedanken'

Spam – Die dumme Art zu nerven, von Twitter

Freitag, 13. November 2009 14:21

091113-Twitter_spam

Es gab mal eine Hochzeit in der ich eine dreistellige Anzahl an Spam-Mails pro Tag erhalten habe. Diese Zeit ist glücklicherweise vorbei. Nach aktuellen Zahlen von Bitkom scheinen aber immer noch mehr als 90% des Mailverkehrs aus Spam zu bestehen. Ich scheine da also eine Ausnahme zu sein, denn mein Verhältnis von Spam zu echten Mails liegt aktuell bei nur ca. 20%. Und das obwohl meine E-Mail-Adresse frei im Web zu finden ist.

Jetzt gibt es da ja so eine tolle Erfindung wie Twitter. Dort bekommt man mehr oder weniger “persönlich” Inhalte empfohlen von Personen denen man folgt (Following). Ich bekomme in letzter Zeit immer häufiger Benachrichtigungen von Twitter, dass Person XY mir nun folgt. Schaue ich nur kurz auf die Details dann weis ich das das nicht ernst gemeint sein kann (siehe Bild oben).

“Klassischen” Spam erhalte ich wie bereits erwähnt nur noch sehr wenig. Nur was ist eigentlich Spam? Für mich ist das eine E-Mail die keine Bedeutung für mich hat und deren Inhalt ich ohne gefragt zu werden zugestellt bekomme. Das Interesse beim Rezipienten ist gleich Null und sie wandert nach spätestens einer Sekunde in den Papierkorb. So auch bei den Auszügen aus den Twitter-Benachrichtigungen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum möglich ist mehr als 50 Personen/ Institutionen bei Twitter wirklich aufmerksam zu folgen und den geposteten Links auch wirklich nachzugehen. Es sei denn man hat dies als Hauptbeschäftigung auserkoren. Wie man aber an den Screenshots oben sehen kann werden vermutlich einfach nur Tags von Bots gefiltert und dann der User hinter dem Tweet als “Following” hinzugefügt. Gefestigt hat sich diese Vermutung nach folgenden Tweet:

091113-Twitter_hashtag

Unmittelbar danach habe ich vier solcher E-Mails im Posteingang gehabt. Ich denke einmal aufgrund eines zu diesem Zeitpunkt sehr aktuellen Themas und dann aber auch wegen des Hashtags #Apple.

Meiner ständig schwankenden Anzahl an Personen die mir bei Twitter folgen entnehme ich außerdem, dass dies wohl noch einigen anderen Leuten so geht und diese Personen melden. Ich habe mich lange gegen Twitter aus mehreren Gründen verweigert, habe es dann aber doch als wertvolle Informationsquelle für die Recherche entdeckt. Das Thema Spam war mir aber von Anfang an negativ aufgefallen.

Diese penetrante Art andere Leute auf sich aufmerksam zu machen halte ich für äußerst dumm. Twitter ist ein hochpersönliches Medium. Die Effektivität basiert fast vollständig auf dem gezielten Auswählen von Leuten die für einen selbst etwas relevantes zu sagen haben (So nutze ich jedenfalls Twitter). Auf die Weise wie es bei Twitter aber immer mehr zur Marotte wird sind wir wieder beim Spamniveau von vor 10 Jahren angekommen. Man wird zugeballert mit Informationen die man nicht haben will und ist nur noch genervt. Glücklicherweise kann man die Benachrichtigungen über neue Floower ja abstellen. Mir geht es aber mehr um die Art auf sich aufmerksam zu machen.

Klar müssen auch die Spammer (hört sich ja fast schon an wie ein Beruf) mit der Zeit gehen und sich neue Wege suchen ihren Müll an die Leute heranzutragen. Nur vielleicht sollten sie da nochmal etwas besser überlegen ob das wirklich der richtige Weg ist. Vierstellige Following-Zahlen halte ich selbst für sehr unglaubwürdig und sind für mich immer ein klares Anzeichen dafür, dass die betreffende Person (ich rede nicht von News-Aggregatoren! – z.B. für den Raum Köln) entweder nur aus “Nettigkeit” mir auch folgt oder es pures heischen nach Aufmerksamkeit ist.

Achja, Spam in sozialen Netzwerken ist genauso ineffektiv…

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Ist der Informationsüberfluss Hemmstoff für unsere Innovationsfähigkeit?

Freitag, 30. Oktober 2009 10:28

Im Zug hat man endlich mal Zeit für einen klaren Gedanken – so geschehen am Freitag Abend als ich selbst gerade gemütlich meine RSS-Feeds lese.

Die Vernetzung der einzelnen Medienkanäle ist schon eine feine Sache kommt mir in den Sinn. Es ist verdammt einfach eine ganze Menge Zeit damit zu verbringen die Medienprodukte anderer Leute lediglich zu konsumieren. Hier eine Bildergalerie angucken, da ein gut gemachtes Video anschauen und dann direkt weiter zum Blog seiner Wahl um die neuesten Gedanken zu einem brandaktuellen Thema nachzulesen …

Mir kommt der Gedanke: Verleiten nicht immer mehr Kanäle die Input ermöglichen dazu zu sagen, dass man selbst gar nichts mehr zum Pool an Informationen und Gedanken beitragen muss? Jede einzelne Person kann sich theoretisch auf so viele Wege informieren, dass es nicht mehr zu bewältigen ist. Eine wichtige Kompetenz besteht für mich bereits darin eine Auswahl zu treffen und Qualitätsunterschiede zwischen den Quellen auszumachen. Natürlich wird es immer eine kleine Gruppe geben die anders denkt und dies erkennt, mir geht es aber um die große Masse der Leute.

Mein eigentlicher Kerngedanke war aber folgender: Innovation kann nur dadurch entstehen, dass eine ausreichend hohe Zahl an Leuten Denkleistungen erbringt und diese auch bereitstellt. Die trügerische Vielfalt an Informationen hemmt diese Motivation allerdings. Die Verknüpfungen der Quellen untereinander bildet ein unendlich verworrenes Netz, dass keiner mehr zu entschlüsseln vermag. Die Gefahr besteht, dass man nur denkt man erfährt etwas Neues. In Wirklichkeit tritt man aber auf der Stelle, denn gegenseitiges referenzieren schafft keine Innovation. Die sicherste Alternative besteht darin, es selbst in die Hand zu nehmen und einen eigenen Wert beizusteuern.

Selbstreflexion und -kritik sind also umso wichtiger je weiter man in die Tiefen des Medienkonsums abtaucht.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Freunde als Tauschware – oder: Wie kopiere ich mir einen Freund mit wenigen Klicks?

Donnerstag, 29. Oktober 2009 15:16

091029-facebook_Freunde_cropNeulich bei Facebook: Beim Check der Neuigkeiten meiner Kontakte fällt mir oben rechts im Fenster folgender Hinweis auf: “Person XY hat nur 18 Freunde – hilf ihr mehr zu finden”.

Diese digitale Welt ist schon komisch. Es kommt mir so vor, als ob die Anzahl der Freunde sich proportional zum Mooreschen Gesetz zu verhalten scheint. Alle 24 Monate müssen es doppelt so viele sein um mit dem Trend mitzuschwimmen. Wird es dadurch aber besser? Klar sorgt die Digitalisierung für eine immens gesteigerte Reichweite jedes einzelnen Partizipienten und dadurch auch für mehr Kontakte. Nur diese Art der Ansprache wie sie Facebook betreibt verleitet doch nur so zur Oberflächlichkeit. Zur Steigerung des eigenen Karmas sucht man der betreffenden Person doch gerne mal ein paar Leute von sich raus die er kennen könnte oder nicht? Hauptsache der arme Kerl muss mit seinen “nur” 18 Freunden nicht mehr so traurig und allein darstehen.

Damit will ich nicht sagen “früher war alles besser… jammer jammer”. Nein, damit würde man sich entschieden gegen den Fortschritt wehren und das will ich nicht. Ich bin überzeugt das in jedem Fortschritt etwas positives steckt. Die Herausforderung besteht darin diesen neuen Möglichkeiten angemessen zu begegnen und für sich zu nutzen.

Soziale Netzwerke verschmelzen immer stärken mit unserem “echten” Leben. Sei es bei den so gennanten “Social Games” wo man echtes Geld für Spieldollars eintauschen kann oder einfach nur seine Ansammlung von Kontakten, auch liebevoll “Freunde” genannt. Ein Großteil der Nutzer kann teilweise nicht mehr unterscheiden wo man sich gerade aufhält (digital oder real), davon bin ich überzeugt. Dabei wird die Trennung doch immer wichtiger. Natürlich befinden sich auch in meiner Kontaktliste “echte” Freunde und ich will damit diese auch auf keinen Fall beleidigen. Vielmehr will ich auf die oberflächlichere Handhabung hinweisen. Die kritische Hinterfragung wird immer wichtiger.

Es fängt schon bei der Definition des Wortes “Freund” an. In der digitalen Welt ist dies für mich eher ein “Kontakt” bzw. Teil eines Netzwerks von Kontakten mit denen man untereinander erfolgreicher ist. Freunde kann man doch nicht einfach per Empfehlungsfunktion von Facebook verdoppeln und kopieren wie eine MP3! Sie sind für mich heute genauso rar wie “damals”. Wer 378 “Freunde” bei Facebook hat kann immernoch völlig alleine in der realen Welt darstehen und sich eine Person wünschen auf die er sich verlassen kann. Vielleicht hat die Person der ich mehr “Freunde” empfehlen soll ja auch dieses Verständnis und hat nur die engsten Vertrauten im direkten Wortsinn des “Freundes” in ihrer Kontaktliste.

Und genau hier liegt der Punkt, an dem sich die Medienkompetenz jedes Einzelnen festmacht. Schafft man es einen Nutzen aus den neu verfügbaren Möglichkeiten zu ziehen und sich darüber abzuheben oder schwimmt man in der Masse mit? Der adäquate Umgang und die Wahrung einer kritischen Haltung wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Schafft man dies nicht, dann geht jede Kritikfähigkeit verloren.

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Freemium – Erfolgsmodell für Digitalcontent?

Samstag, 10. Oktober 2009 10:57

Das Konzept scheint einfach und erfolgversprechend – biete exklusiven Content gut verschlüsselt in einem exklusiven Mitgliederbereich an und bitte deine Interessenten dafür zur Kasse. Diese zahlen dafür natürlich gerne, denn sie erhalten ja auch eine entsprechende Gegenleistung. Auf kurze Sicht bringt diese Art der Bindung wirklich den erhofften Geldfluss und funktioniert in der Theorie auch. Langfristig ist dies aber fraglich und praktisch gibt es dabei einige Tücken.

Ein spontanes Beispiel: Der lange Trudelkurs der Times mit paid-content, bis schließlich das Online-Archiv doch frei zugänglich war.

“Das Ende der klassischen Medien” … “Das Internet macht alles kaputt” höre ich schon die Gegenseite schreien…

Meine Theorie: Keiner ist schuld daran, es ist lediglich eine Verkettung von aufeinander aufbauenden Umständen, denn:

Das Internet ist gekennzeichnet durch einen hochgradigen Überfluss an allem. Nahezu alles ist auffindbar und das auch noch vielfach redundant. In jedem Markt ist Preisverfall die logische Folge bei einem Überangebot. Warum also nicht auch im “Markt” des Informationsangebots. Im Fall des digitalen Contents ist einfach nur die absolute Null-Grenze erreicht.

…Erneuter Aufschrei… OK, OK eine Einschränkung:

Es wäre sicherlich falsch, die Inhalte der Times, Zeit, Spiegel und des Handelsblatts etc. (alles nur exemplarisch) mit frei zugänglichen Inhalten gleich zu setzen die womöglich auch noch auf eigener Meinung basieren.

ABER: Auch in dieser Hinsicht hat sich die Situation verändert. Noch vor einigen Jahren von Jean-Remy von Matt als “Klowände des Internets” beschimpft, haben sich Blogs einem starken qualitativen Wandel unterzogen. Unternehmen, Manager und Anwälte führen mittlerweile auch Blogs und liefern damit teilweise hochinformativen Input. Über die experimentelle Meinungsäußerung von einigen Teenagern in Gründerzeiten von blogger geht dies weit hinaus. Über Verlinkungen auf die Nachrichtenseiten von diesen professionellen (teils hochfrequentierten) Blogs aus profitieren plötzlich also auch die “Großen”.

Wo ist also der Haken die Inhalte zugänglich zu machen? Die potenziell unendlichen Verlinkungen bedeuten ein Vielfaches an Seitenbesuchern gegenüber den zahlenden Kunden auch wenn auf den ersten Blick etwas “umsonst” hergegeben wird.

Ich versuche mal ein Profil von einem durchschnittlichen Informationssuchenden zu erstellen. Auf der Suche nach Informationen bemüht dieser im ersten Schritt eine Suchmaschine seiner Wahl. Dann

  • möchte er unkompliziert und schnell an den gewünschten Input gelangen.
  • bedeuten Anmeldevorgänge sofort das Aus für die betreffende Seite wo die Information stehen könnte da andere es einfacher anbieten.
  • scheiden alle kostenpflichtigen Angebote sofort aus, da es mindestens ein anderer auch gratis bietet
  • steht der Inhalt im Vordergrund und erst dann die Seite selbst so lange die Quelle stimmt. Die Erfahrung hat ihm gezeigt, das es mittlerweile im Internet genug qualitativen Content gibt und die Verfasser auch unter “Leistungsdruck” stehen und sich gegen andere profilieren wollen.
  • sind Verweise auf Nachrichtenquellen in einem Artikel eine willkommene Anreicherung. (Hier schließt sich der Kreis)

Das eigentlich interessante Geschäft ist doch nicht das mit den Endkunden, sondern die Bindung von ganzen Nutzergruppen. Die dort untereinander gegebenen Empfehlungen sind darüber hinaus nochmals ein Vielfaches von Adclicks wert. Wieso also nicht eine Basisversion frei zur Verfügung stellen und als Bonbon noch denen einen Exklusivpaket schnüren, die nicht genug bekommen können? Voila: Freemium (Verschmelzung aus “Free” und “Premium”)

Bei vielen Webdiensten funktioniert es, wieso also nicht auch bei digitalen Inhalten?

Zwei prominente Beispiele aus der Musikbranche sind das kostenlose Nine Inch Nails Album mit optionaler kostenpflichtiger Special Edition und das Live-Album von Coldplay.

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Guido Westerwelle “…es ist Deutschland hier.”

Mittwoch, 30. September 2009 14:07

Das Internet hat nach der Bundestagswahl einen neuen Feind gefunden den man mit Genuss vor sich hertreibt: Guido Westerwelle von der FDP.

Nach dem überraschend positiven Wahlergebnis für die “drei kleinen” Parteien FDP, Linke und die Grünen (alle über 10%) am vergangenen Sonntag kristallisiert sich aktuell Guido Westerwelle von der FDP als Außenminister heraus. Eine erste Pressekonferenz hat er auch schon abgehalten. Bei dieser gab es jedoch einige Probleme.

Aktuell wird dieser Auftritt von ihm auf eine mehr oder weniger direkte Art ausgiebig zerrissen (siehe auch related links bei YouTube). Eine Stellungnahme bleibt bislang aus. Um nicht noch mehr an Glaubwürdigkeit zu verlieren (vielleicht sogar den letzten Rest) müsste dies schnellstens passieren.

Die Stimmung war vor dieser Aktion ja schon nicht gut, erzeugt durch allerhand Arroganz beim Auftritt in der Öffentlichkeit und Stellungnahme zu unangenehmen Fragen von seinen Kollegen. Aber das jüngste Beispiel dürfte wohl die nächste Eskalationsstufe der Imagehavarie einläuten.

Wie kann man als geschulter Medienprofi so etwas auf einer Pressekonferenz von sich geben? Beim Anblick solcher Hilflosigkeit kommen mir die Tränen. Selbst ein Amateur könnte sich die Konsequenzen ausmalen die dieses Verhalten mit sich bringt -- Er anscheinend nicht.

Das Verhalten von Guido Westerwelle treibt einen spürbaren Keil zwischen die Bevölkerung und ihn. Eigentlich sollte eine Pressekonferenz ja für positiven Gesprächsstoff sorgen den die Presse gerne weiterträgt.  Stattdessen macht er sich zum Gelächter von Deutschland und wahrscheinlich auch darüber hinaus.

Ich bin gespannt wie die Lösung dieses Imageschadens aussieht.

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Identitätsmangel der Politik

Sonntag, 27. September 2009 14:54

Aus ganz aktuellem Anlass (heutige Bundestagswahl) versuche ich meine Gedanken zu einem Thema in Worte zu fassen das ich nun schon einige Zeit beobachte – Die Diskussion um die Wahlbeteiligung. Schon lange wird in Deutschland ein stetiger Rückgang der Wahlbeteiligung beklagt, bei vielen Wahlen werden neue Negativrekorde erreicht.

Die Ursache dieser Entwicklung ist sicher in einer Vielzahl von Gründen zu suchen. Kritik ist darüber hinaus immer einfach, die Verbesserung stets ein Kraftakt. Also für was steht Politik eigentlich? Eine wesentliche Aufgabe besteht für mich darin, den Menschen eine Vision aufzuzeigen und durch dieses klare mittel- bzw. langfristige Ziel eine einzigartige Identität auszustrahlen mit der man sich identifiziert.

Die aktuelle Politik leidet für mich vor allem unter einem Identitätsmangel. Der Bezug einer klaren Position mit eindeutigen Aussagen fehlt. Die Strahlkraft, durch das transportierte Image der Bevölkerung Rückhalt zu bieten und sie ihre Stimme in gutem Gewissen abgeben zu lassen – Kurz gesagt, eine Leitfigur fehlt. Es gibt zwar Spitzenkandidaten die ganz vorne ins Rennen geschickt werden. Diese leiden aber unter den nicht prägnant genug formulierten Zielen der Parteien wie ich finde. Der Identitätsmangel wird in Teilen auch dadurch erzeugt, dass kein adäquater Umgang mit zeitgemäßen Medien erfolgt.

Ich mache das an einem hohen Anteil an Spontanwählern fest. Die vielfältigen Ansätze selbst etwas zu bewegen bzw. sogar Parodien (um nur einige prominente Beispiele zu nennen: Piratenpartei, Die Partei, Online-Petition von Franziska Heine, Die Politik-Parodie von Horst Schlämmer HSP) sind für mich ebenfalls ein deutlichen Anzeichen dafür, dass diese Menschen keine andere Möglichkeit sehen, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Eine deutliche Ablehnung des angebotenen Parteiprogramms. Vielleicht aber auch sogar ein Vertrauensverlust insgesamt.

Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft wird es sein, das Bild der Parteien wieder zu schärfen und die diffuse Positionierung zu korrigieren.

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Jako AG spielt mit ihrem Image

Freitag, 18. September 2009 9:34

David gegen Goliath – So ähnlich könnte man es versuchen zu beschreiben. Die Besonderheit ist in diesem Fall nur, dass David diesmal zusätzlich eine potenziell unendliche Anzahl von Helfern mitgebracht hat, die Goliath attackieren können falls seine Kraft nicht reicht.

Goliath ist in diesem Fall die Firma Jako. David ist Blogger Trainer Baade, der von dieser verklagt wurde.

Für was passiert, wenn Unternehmen mit offensichtlich unangemessenen Mitteln agieren gibt es mehrere ähnliche Fallbeispiele (z.B. Maytag, Digg, Amazon). Diese haben bereits gezeigt, dass man sich schnell verbündet und Widerstand formiert gegen das in den Augen der User falsche Verhalten. Da hilft meist auch keine sachliche Argumentation mehr. Wenn die Internetgemeinde entschieden hat, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht werden einfache Werkzeuge wie Links, Trackbacks usw. zu gemeinen “Waffen” mit denen sich verteidigt wird und erheblicher Imageschaden verrichtet werden kann.

Den aktuellen Vorfall mit der Firma Jako möchte ich keineswegs verurteilen oder bewerten, dass wäre sicher anmassend und würde einen Haufen wichtiger Aspekte übersehen, die letztendlich zur Entscheidung geführt haben, die Angelegenheit vor Gericht auszutragen. Was ich aber tun kann ist auf die Reaktion hinzuweisen, denn das hätte sich jeder mit halbwegs funktionierendem Menschenverstand ausmalen können.

War es denn nicht abzusehen, dass es so verläuft wenn man als Unternehmen gegen eine Einzelperson mit solchen Methoden vorgeht? Natürlich hat jede Marke in erster Linie zunächst mal ihr Image zu “verteidigen” bzw. zu pflegen, jedoch sollten sich Profis die diese Schrite einleiten dann auch über die Konsequenzen im klaren sein die sie verursachen können.

Man kann gespannt sein wie die Angelegenheit am Ende des Tages ausgeht. Die Pressemitteilung vom 04.09.09 liest sich jedenfalls wie eine Kopie der anderen oben genannten Beispiele.

„Wir haben ganz offensichtlich überreagiert“, erklärt Rudi Sprügel, Vorstandsvorsitzender der JAKO AG, und schafft damit alle Voraussetzungen,um die vor allem im Internet geführte Auseinandersetzung um sein Unternehmen schnell zu beenden.

Nach einem mittelschweren Imagebeschuss kommt man final zur Besinnung und rudert zurück. Fest steht allerdings jetzt schon, dass die großen Fragezeichen über den fassungslosen Köpfen der Sympatisanten sicher einen negativeren Einfluss auf das Image haben und das auch auf längere Zeit (Stichwort Empfehlungsmarketing) als ein simpler Logovergleich mit dem alles angefangen hat.

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Gute Miene, böses Spiel – Google StreetView

Dienstag, 15. September 2009 13:01

Google StreetView, das rote Tuch bei Datenschützern schlechthin. Hat Google nun etwa ein Einsehen? Schließlich ringt man doch u.a. in Deutschland bis Heute mit den Datenschützern um die Rahmenbedingungen für die flächendeckende Umsetzung und die Verfassungskonformität.

Bei mir entsteht eher der gegenteilige Eindruck. Das Prinzip wird zwar liebevoll dargestellt mit dem kleinen knuffigen Roboter, der sich Tag und Nacht unermüdlich für die Wahrung der Privatsphäre einsetzt. Mit der Realität hat das aber wenig zu tun finde ich.

Stößt man etwa auf stärkeren Widerstand beim Thema StreetView? Nur so kann ich mir den Kuschelkurs erklären der bei der Visualisierung eingeschlagen wird. Vielleicht versucht man ja auch nur die User für die Zustimmung zu mobilisieren. Das Video ist zwar von Google Japan, das Problem bleibt jedoch das gleiche. Ein zweischneidiges Schwert.

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Polar und seine Fitnessjünger

Mittwoch, 9. September 2009 11:47

Der Sportartikelhersteller Polar macht es ähnlich wie Nike und inszeniert einen Fitnesswettkampf unter den Nutzern seiner Pulsuhren. Der größte Unterschied wird wohl sein, dass hinter der Aktion keine millionenschwere Crossmediakampagne steckt, die die Produkte gezielt daraufhin vermarktet.

Stattdessen setzt man wohl eher auf das eigene Image und sieht es als zusätzliche Option zum Produkt. Der nicht vorhandene Medienrummel zieht sicherlich auch eine andere Zielgruppe an. Wurde bei Nike durch den Trendartikel iPod in Kombination mit speziellen Schuhen mit Sensor eher auf die Masse und eine generelle Mobilmachung gesetzt so wirkt der Ansatz bei Polar mehr leistungsorientiert. Immerhin braucht man Equipment für ca. 350 EUR (teuerste Pulsuhr + Flowlink) um teilnehmen zu können. Einen iPod haben bereits viele Leute, was den Einstieg einfacher (und günstiger) machte. Eine Highend-Pulsuhr wohl kaum.

Jedoch braucht man auch für die Variante von Polar den sog. Flowlink. Erst dieser ermöglicht die Datenübertragung der Trainingsdaten zum Computer und macht einen Vergleich in der Polar Community möglich.

Es ist davon abgesehen sehr spannend zu verfolgen, dass der Communitygedanke offenbar auch im professionelleren Sektor funktioniert.

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Maytag – Masterplan zum Kunden verlieren

Mittwoch, 2. September 2009 10:50

Auf Werbeblogger war Vorgestern eine äußerst interessante Zusammenfassung von der Interaktion von Kundenservice und Kunde bei der Firma Maytag zu lesen. Alle Details möchte ich an dieser Stelle nicht nochmal wiederholen, ich kann nur so viel sagen: Die Lektüre aller dort beschriebenen Geschehnisse lohnt sich!

Leider ist der Kundenservice an den falschen verärgerten Verbraucher geraten. Dies war nämlich Heather Armstrong -- und die unterhält aktuell (02.09.2009) alleine 1,168 Mio. Follower bei Twitter und schreibt ein viel gelesenes Blog. Ihre Erlebnisse mit dem Unternehmen und dessen Kulanzbereitschaft formulierte sie sehr ausführlich und eindeutig bei Twitter und in einem Artikel.

Was soll man dazu noch mehr sagen? Der Vorfall reiht sich wunderbar in diverse Vorfälle ein, die über das Internet zu nie da gewesener Aufmerksamkeit gelangten. An dieser Stelle sei als Beispiel nur der liebevoll inszenierte Parodiesong für United Airlines erwähnt der mittlerweile 5,3 Mio. Views hat und aus einem beschädigten Gepäckstück entstanden ist das das Unternehmen nicht ersetzen wollte.

Gar nicht oft genug kann man betonen, dass mit dem heutigen Stand der Technik solch ein Verhalten gnadenlos “bestraft” werden kann und auch immer häufiger wird. Die Betroffenen verschaffen sich Luft über ihren Unmut. Im besten Fall lesen es nur eine Handvoll Leute, meistens aber wohl eher mehr. Gerade solche direkten Ansprachen wie z.B. “DO NOT BUY MAYTAG” haben bei den Sympathisanten ein Vielfaches an Wirkung auf die Meinungsbildung als eine Werbebotschaft. Sie identifizieren sich ja schließlich freiwillig mit der betreffenden Person und gewichten deren Aussagen völlig anders.

Auf der anderen Seite steht in dieser Angelegenheit Bosch. Denn die haben die Zeichen erkannt und prompt Bereitschaft signalisiert ein neues Gerät zu stellen. Am Ende des Tages konnten sie so noch eine Menge Gratis-PR einfahren. Die Maschine wurde auf Wunsch von Heather Armstrong gespendet und sie kommentierte das alles sehr ausführlich auf Twitter und erwähnte Bosch dabei mehrfach.

Schade das so viele Unternehmen eine solch geringe Medienkompetenz für den digitalen Bereich mitbringen.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon