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Dialogversuche der Politik

Dienstag, 7. Juli 2009 14:38

So langsam kommen wir ja in Deutschland in Wahlkampfstimmung. Die üblichen Steuersenkungsversprechen zur Aufstockung des Wählerkreises sind als Einstieg ja schon gemacht. Als nächstes wird man dann wohl wieder die tollen Wahlplakate sehen können.

Nun gibt es da aber auch dieses momentan so sagenumwobene Internet. Stopschilder sollen dort bald zu sehen sein, die Jugendgeneration soll es verdummen lassen und süchtig soll es auch machen. Dieses Medium ist aktuell bei unseren Politikern auch sehr im Trend. Es ist totschick sich im Social web zu präsentieren und dort Pseudoeinblicke in seine Aktivitäten zu geben.

Gestern liest man dann bei Welt Online, dass Angela Merkel nun die Marke von 50.000 Anhängern bei StudiVZ überschritten hat und sich nun (quasi als dankeschön) dazu entschlossen hat auch Fragen auf ihrem Profil zu beantworten. Wie bitte?

Anscheinend sind einige Berater noch nicht im 21. Jahrhundert bezüglich der Erwartungen des Rezipienten angekommen. Der Rezipient rennt schon lange nicht mehr bedingungslos seinem Kommunikationspartner hinterher. Er erwartet die persönliche Ansprache und den ebenbürtigen Dialog. 2009, in Zeiten der Echtzeitkommunikation, sieht die Welt nochmals komplett anders aus. Haben wir die stufenweise Kommunikation nicht schon länger hinter uns gelassen? Schade das man auf keine kreativere Idee in einem sozialen Netzwerk kommt, als Fragen zu beantworten.

Das ist in etwa so viel Dialoggehalt wie sich bei RTL hinzusetzen und dort einer Handvoll wahrscheinlich vorher auf Tauglichkeit geprüfter Fragen zu stellen. An Stelle Fragen zu beantworten sollte man sich lieber Gedanken machen wie man den Wählern klar macht, wo die Reise während der nächsten Regierungszeit hingeht und glaubwürdig einen Weg aufzeigen wie man das anstellen wird.

Es gibt meiner Meinung nach ein größeres Problem bei allen Parteien in Deutschland. Sie haben entweder keine wirkliche Vision für die Zukunft oder sind einfach nicht in der Lage diese medial zu inszenieren. Ist das nicht frustrierend? Ich warte immer noch sehnsüchtig auf eine Politikkampagne die mich überzeugt und für einen “AHA-Effekt” sorgt.

Andere Parteien reiben sich schon die Hände die frustrierten Wähler abzugreifen (oder eingebundes Video unten). Diese dort beschriebene Lage ist sicher nicht auf ganz Deutschland in dieser krassen Ausprägung zu übertragen. Allerdings machen die aktuellen Wahlergebnisse doch sehr deutlich wie den Traditionsparteien die Wähler davonlaufen und “frischen” Ideen eine Chance geben.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Nachruf zur EU-Wahl vom 07.06.2009

Dienstag, 30. Juni 2009 22:35

Es ist schon ein paar Wochen her, dennoch möchte ich noch mal die EU-Wahl in Erinnerung rufen. Dort schreckte man ja zusammen, als von der rekordverdächtigen Wahlbeteiligung im negativen Sinne berichtet wurde. 43,24 Prozent der EU-Bürger haben es nur noch an die Urne geschafft.

Die Politiker beklagen grundsätzlich das schwache Interesse der Bürger an den Wahlen, die Bürger hingegen die Verwirrtheit über die Wahlprogramme. Wer jetzt wo Recht hat mag wohl Niemand mehr sagen zu können. Fest steht aber, dass es ein Zustand ist der gewöhnungsbedürftig ist.

ZAPP auf NDR hat diesen Sachverhalt unter dem Thema „Lustloser EU-Wahlkampf“ recht amüsant kommentiert.

Vergleicht man das mit der Theorie der „integrierten Kommunikation“, fallen viele Gemeinsamkeiten auf. Es ist ja nicht nur bei der EU-Wahl so gewesen. Seit Jahren fallen mir die nichtssagenden Wahlplakate bzw –programme auf. Nach der Theorie der „integrierten Kommunikation“ ist diese Lage eine krasse Diskrepanz zwischen Ist- und Sollbild. Als Unternehmen (in diesem Fall die Politiker) muss man bei seinen Kunden (die Wähler) für ein authentisches Gesamtbild sorgen. Andernfalls werden alle Bemühungen sehr kurzfristig bleiben und früher oder später auf Ablehnung stoßen. Driftet die Seite der Versprechungen und der Handlungen sogar auseinander, ist das Ergebnis Ablehnung seitens der Kunden (also der Wähler). Allein in diesem kurzen Beitrag von ZAPP sind diverse eklatante Fehler zu beobachten, die fast schon nicht mehr nachvollziehbar sind unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dort mediengeschulte Profis auftreten.

Offensichtliche Ignoranz gegenüber dem Willen des Volks setzt dem ganzen dann nur noch die Krone auf. Nachhaltige Kundenbindung erreicht man nur durch die Übereinstimmung von Versprechen und Handeln. Würden die Politiker in Deutschland wirklich im Dienst einer echten Vision stehen anstatt sich permanent die Rosinen rauszupicken würden auch die Wahlbeteiligungen wieder steigen, davon bin ich überzeugt.

StudiVZ Merkel

Die aktuellen Berichterstattungen über die anstehenden Regierungswahlen zeigen leider das gleiche traurige Bild. Aber dafür geht man ja jetzt seit neuestem auf Sympathiekurs mit den jungen Wählern und zeigt sich z.B. im StudiVZ. Da man ja jetzt „Interaktion“ mit der Zielgruppe meint zu üben kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Das Ende der klassischen Medien? Wohl kaum.

Freitag, 26. Juni 2009 21:54

Es ist mal wieder so weit. Steve Ballmer, CEO von Microsoft, prognostiziert erneut das Ende der klassischen Medien. In Cannes sagte er das Ende der gedruckten Medien für in spätestens zehn Jahren voraus.

Kurzer Blick zurück – da gab es vor einiger Zeit einen gewissen Bill Gates der mehrmals das „paperless office“ voraussagte. Mittlerweile haben wir 2009 und jeder druckt weiter fleißig vor sich hin und sorgt für Berge von Papier. Von vollständiger Digitalisierung keine Spur. Ganz im Gegenteil. Wer hat es nicht schon selbst erlebt, dass er einen Scan von einer gedruckten E-Mail wieder als Anhang digital zugeschickt bekommt um Änderungen zu besprechen.

Auch wenn es nur eine Zukunftsprognose ist und es ja bekanntlich gut sein soll eine Vision zu haben tendiere ich dazu die Dinge etwas relativer zu sehen. Wie war das noch bei der Einführung der Fotografie? Die Malerei wurde für tot erklärt. Danach sollte die Fotografie dran glauben als das Video erfunden wurde. Und was ist heute los? Alles existiert parallel – und das sogar sehr hervorragend. Es haben sich eine Menge neuer Nischen etabliert in denen sich neue Stilarten ausgebildet haben. Und nun soll das anders sein?

Matthias Horx schreibt z.B. in seinem Buch „Technolution“, dass gerade in der heutigen digitalen Gesellschaft Papier einen ganz neuen Stellenwert erlangt, da es eine gewisse Wichtigkeit symbolisiert. Alles was wichtig ist „verewigt“ man auf Papier, unwichtiges verstaut man irgendwo auf der Festplatte. In der letzten Ausgabe von „die Zeit“ ist dies in Bezug auf die „New York Times“ ebenfalls sehr schön veranschaulicht. Momentan stellen die digitalen Anzeigegeräte mehr eine technische Spielerei dar als einen würdigen Ersatz für Papier. Dort heißt es:

“Die New York Times, sagt ihr Chefredakteur Bill Keller, »kann jeder getrost in der U-Bahn liegen lassen« – anders als den Kindle oder ähnliche Apparate, die man nicht falten kann und auf denen man auch keine Kaffeetasse abstellen sollte.”

Genau darin sehe ich den Ansatz für die Zukunft. Und erste kluge Kombinationen der beiden Hauptvorteile existieren schon als Pilotstudie. In der Schweiz kann man sich seine Tageszeitung in gedruckter Form mit den Inhalten seiner Wahl nach Hause bestellen und somit sein individuelles News-Portal auf Papier in den Händen halten.

Wenn es aber doch so kommen soll und alle Menschen nur noch digital kommunizieren, dann müsste doch ein Unternehmen wie Microsoft im ersten Schritt wenigstens in der Lage sein standardkonforme Software auf den Markt zu bringen, die eine reibungslose Kommunikation sicherstellt. Mit Outlook 2010 hat man gerade leider erneut das Gegenteil bewiesen.

Es ist mal wieder so weit. Steve Ballmer, CEO von Microsoft, prognostiziert erneut das Ende der klassischen Medien. In Cannes sagte er das Ende der gedruckten Medien für in spätestens zehn Jahren voraus.

Kurzer Blick zurück – da gab es vor einiger Zeit einen gewissen Bill Gates der mehrmals das „paperless office“ voraussagte. Mittlerweile haben wir 2009 und jeder druckt weiter fleißig vor sich hin und sorgt für Berge von Papier. Von vollständiger Digitalisierung keine Spur. Ganz im Gegenteil. Wer hat es nicht schon selbst erlebt, dass er einen Scan von einer gedruckten E-Mail wieder als Anhang digital zugeschickt bekommt um Änderungen zu besprechen.

Auch wenn es nur eine Zukunftsprognose ist und es ja bekanntlich gut sein soll eine Vision zu haben tendiere ich dazu die Dinge etwas relativer zu sehen. Wie war das noch bei der Einführung der Fotografie? Die Malerei wurde für tot erklärt. Danach sollte die Fotografie dran glauben als das Video erfunden wurde. Und was ist heute los? Alles existiert parallel – und das sogar sehr hervorragend. Es haben sich eine Menge neuer Nischen etabliert in denen sich neue Stilarten ausgebildet haben. Und nun soll das anders sein?

Matthias Horx schreibt z.B. in seinem Buch „Technolution“, dass gerade in der heutigen digitalen Gesellschaft Papier einen ganz neuen Stellenwert erlangt, da es eine gewisse Wichtigkeit symbolisiert. Alles was wichtig ist „verewigt“ man auf Papier, unwichtiges verstaut man irgendwo auf der Festplatte. In der letzten Ausgabe von „die Zeit“ ist dies in Bezug auf die „New York Times“ ebenfalls sehr schön veranschaulicht. Momentan stellen die digitalen Anzeigegeräte mehr eine technische Spielerei dar.

„Die New York Times, sagt ihr Chefredakteur Bill Keller, »kann jeder getrost in der U-Bahn liegen lassen« – anders als den Kindle oder ähnliche Apparate, die man nicht falten kann und auf denen man auch keine Kaffeetasse abstellen sollte.“

Genau darin sehe ich den Ansatz für die Zukunft. Und erste kluge Kombinationen der beiden Hauptvorteile existieren schon als Pilotstudie. In der Schweiz kann man sich seine Tageszeitung in gedruckter Form mit den Inhalten seiner Wahl nach Hause bestellen und somit sein individuelles News-Portal auf Papier bestellen.

Wenn es aber doch so kommen soll und alle Menschen nur noch digital kommunizieren, dann müsste doch ein Unternehmen wie Microsoft im ersten Schritt wenigstens in der Lage sein standardkonforme Software auf den Markt zu bringen, die eine reibungslose Kommunikation sicherstellt. Mit Outlook 2010 hat man gerade leider erneut das Gegenteil bewiesen.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Gewalt im Iran & die freie Meinung

Mittwoch, 24. Juni 2009 12:21

Nach der umstrittenen Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad im Iran halten die Proteste gegen die Regierung an. Unter Lebensgefahr leisten die Gegner immer noch erbitterten Widerstand gegen das umstrittene Wahlergebnis.

Ich möchte dies zum Anlasse nehmen um in diesem Zusammenhang über die zunehmende Verschmelzung, Atomisierung und ständige Verfügbarkeit der Medien zu schreiben. Bitkom nennt es z.B. die „Metatrends“ (Achtung, PDF). Wie das aktuelle und leider auch erschreckende Beispiel zeigt lassen sich die Nutzer von Medien nicht mehr wirkungsvoll bevormunden und lenken. Vielfach wurde bereits im Bezug auf Entertainment darüber gesprochen. Im Iran kann man dieses Phänomen und die Auswirkungen nun aber im Ernstfall beobachten.

Mit aller Gewalt versucht die iranische Regierung Meldungen über die eskalierte Lage zu unterdrücken – ohne Erfolg. Mehrfach wurde bereits über Twitter als Medium der Wahl für die Protestbewegung berichtet, da u.a. Handynetze gestört werden um die Kommunikation zu erschweren.

Immer mehr Nachrichten dringen nach außen und die Welt erhält einen multimedialen Einblick in die Lage vor Ort. Die entsprechenden Plattformen wie Facebook (jetzt auch auf persisch), Googles Sprachtools (auch auf persisch) oder Youtube (mit Citizentube) leisten ihren ganz eigenen Beitrag zur Verwässerung der Autorität des Staates. Noch vor zehn Jahren wäre ein solch großes Publikum für einen einfachen Bürger undenkbar. Jetzt in der Krise profitieren sie davon und können sich immenses Gehör verschaffen. Die Zugriffszahlen auf die Videos bestätigen das riesige öffentliche Interesse indes nur.

Dies zeigt sehr anschaulich wie dicht und vielfältig das Netz aus den verschiedensten Medienkanälen bereits ist. Es ist nicht mehr möglich den Drang zu unterdrücken sich mitzuteilen und eine ungefilterte Botschaft zu versenden. Selbst wenn eine Möglichkeit unterbunden würde stünden eine Vielzahl weiterer Kanäle bereit oder werden selbst geschaffen.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon