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Für eine Handvoll Waren

Montag, 20. September 2010 10:08

Menschen geben heute immer bereitwilliger persönliche Daten von sich preis – das ist eine anerkannte Tatsache und taucht auch immer wieder in den Medien auf. Entweder in Zusammenhang mit Datenschutzbedenken von Experten oder auch in Zusammenhang mit Studien, die die Beweggründe versuchen herzuleiten. Oft sind diese Gründe schwer fassbar und nur durch komplexe phychologische Phänomene näherbar.

Einen sehr handfester Grund gibt es dagegen bei folgendem Beispiel: Esloultimo. (Leider auf spanisch – habe mich mit dem Google-Übersetzungstool durchgeschlagen) Dieses spanische Prototypen-Kaufhaus bietet Waren und Proben gegen persönliche Daten zum Tausch an. In Kooperation mit großen Herstellern werden dort teilweise neue Produkte noch vor dem offiziellen Verkaufsstart angetestet und sind entweder frei oder stark vergünstigt zu haben. An der Kasse werden dann die Produkte dem jeweiligen Kunden zugeordnet und das Persönlichkeitsprofil direkt dem Hersteller übermittelt. (Das alles nach vorheriger Anmeldung im Internet) Win-Win-Situation für den Hersteller würde ich sagen.

Anhand dieses Beispiels könnte man nun sogar errechnen, was Privatsphäre in Euro wert ist. – Zwei Packungen Kartoffelchips und eine neue Cola-Sorte? Gruselig.

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Medialer kalter Entzug – Ein freiwilliger Selbstversuch

Freitag, 10. September 2010 11:26

Wie die letzten Jahre auch ging es für mich dieses Jahr wieder nach Österreich – in den Bikepark Leogang zum Downhill. Zwei Wochen Sporturlaub, yeah! Nach dem Studium genau das richtige als Ausgleich. Natürlich war mein Smartphone auch dabei. Diese tollen verführerischen Spielzeuge sind bei mir nämlich nicht mehr weg zu denken. Wieso auch, kann man doch so viele geniale Dinge damit anstellen.

Wie sehr und schnell man sich an diese Hilfsmittel gewöhnt wurde mir eigentlich erst klar, als ich ernsthaft vor dem Urlaub darüber nachdachte mir für die Dauer des Aufenthalts eine österreichische Prepaid-Handykarte zu kaufen, damit ich auch im Urlaub mobil ins Internet kann.

Soviel vorab: ich habe es nicht getan!

Kurz vor der Grenze zu Österreich wurde es daher spannend. Noch war das begehrte “3G” zu sehen, aber dann – nix mehr. Das Gefühl ab sofort nicht mehr ständig nach den aktuellsten News schauen zu können war zugegebenermaßen anfangs sehr komisch.

“Verpasse ich was”?

“Was hat Kontakt X gerade für spannende Neuigkeiten gepostet”?

“Was sind angesagte RSS-News”?

waren nur einige Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Das aber auch nur kurz muss ich sagen. Dann wurde mir schlagartig bewusst, welchem “Lärm” ( im Sinne von Ereignissen in den einzelnen Medienkanälen) man sich täglich und freiwillig aussetzt. Es wird auf eigenartige Weise still um einen herum und das fühlt sich eigentlich sehr angenehm an. Kein Signalton für neue E-Mails, keine Push-Notifications über neue Statusmeldungen, keine neuen RSS-Feeds als Gute-Nacht-Geschichte. All das habe ich ersetzt durch viele persönliche Diskussionen, lesen, länger schlafen und viel Sport. Fairer Tausch! Einfach mal abschalten und wieder klarkommen.

Eine Pause von all dem oben geschilderten hat mein Bewusstsein für diese Dinge wieder “gerade gerückt” und aufgezeigt, dass viele Dinge gar nicht so relevant sind wie sie durch die permanente Verfügbarkeit erscheinen. Durch das Überangebot wird eine strenge Selbstkontrolle meiner Meinung nach immer wichtiger. Schon jetzt ist es zeitlich unmöglich allen Medienkanälen adäquat zu folgen, weshalb man stark selektieren muss. Wenn man sich nun auch noch einbildet permanent erreichbar sein zu müssen und nichts verpassen zu wollen wird es fast schon grenzwertig. Durch die kleine Auszeit ist bei mir sogar wieder etwas vom Spaß zurückgekehrt, sich mit den Informationsmöglichkeiten auseinander zu setzen.

Natürlich haben die Möglichkeiten auch viele positive Seiten, die ich hier wohl nicht zu nennen brauche. Vielmehr will ich hier etwas überspitzt die Verlockung darstellen, die heutige Medien haben können (siehe Überlegung mit der Prepaid-Karte). Entzugssymptome wie bei einem echten “kalten Entzug” haben sich glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt gezeigt, weshalb ich mich selbst als therapierbaren Fall bezeichnen kann ;-)

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Das Internet vergisst nie – sollte es besser?

Samstag, 21. November 2009 10:28

Die Menschen sind schon ein lustiger Haufen. Zufriedenheit ist eigentlich ein Fremdwort. Die Lage kann noch so perfekt sein – Einen Aspekt zum meckern findet man dennoch immer.

So ähnlich ist das auch mit dem Internet. Es hat für eine Menge an positiven Veränderungen gesorgt. Wir leben heute in einem Schlaraffenland aus Informationen. Wie jede gute Sache gibt es aber auch hier einige Kehrseiten die es in sich haben.

Eine davon ist auf jeden Fall das potenziell unendliche Gedächtnis. Inhalte die einmal online sind werden es dort auch aller Wahrscheinlichkeit nach für immer bleiben. Und selbst wenn der User etwas löscht existieren immer noch unkontrolliert viele Backups bzw. andere User haben es auf ihren eigenen Rechner kopiert und laden es freundlicherweise wieder hoch.

Um dieses hydraähnliche Verhalten hat sich inzwischen eine eigene kleine Industrie gebildet. Reputationsmanagement nennt sich das. In manchen Fällen ist aber selbst ein Profi machtlos weil die Inhalte bereits auf zig anderen Servern kopiert liegen. (Newsaggregatoren z.B.)

Wäre es nicht von Vorteil wenn man online seine (unter Umständen nicht perfekte) Vergangenheit nicht jede Sekunde durch eine einfache Suche parat hat bzw. sie wie im “echten” Leben auch hinter sich lassen kann?

Sich sogar vielleicht davon distanzieren? Im Sinne von “Nein, das war ich früher! Heute ist alles anders.”

Sicher wäre es das. Nur das ist meiner Meinung nach eben der “Preis” den man für soviel Fortschritt wie ihn das Internet bringt zu zahlen hat. Genau betrachtet ist es ja eigentlich gar nichts negatives. Der Benutzer wird genau genommen lediglich dazu animiert genauer über seine Tätigkeiten und weiterreichende Folgen nachzudenken. Es kursieren ja immer mal wieder Stories über Bewerbungsgespräche, in denen dann die Partyfotos von letztem Monat auf den Tisch gelegt werden. Klar gibt es das, nur das sind sicher auch die Extremfälle.

Es ist heute wichtiger denn je seine eigene digitale Identität mit Sorgfalt aufzubauen. Noch wichtiger ist aber der angemessene Umgang mit den Möglichkeiten des Internets. Oder sollte ich sie lieber Verlockungen nennen? Das trifft es wohl eher. Wo wir auch bei meinem aktuellen Lieblingsthema wären – Medienkompetenz. Bei einem halbwegs richtigen Umgang und Bewusstsein über sein eigenes Handeln in Bezug auf den Online-Auftritt kann man selbst schon einen großen Teil dazu beitragen das richtige Bild von sich online zu finden. Nicht umsonst gilt sie als Schlüsselkompetenz der digitalen Gesellschaft. Die Personen, die dies verstanden haben werden daraus eben Vorteile ziehen können.

Leander Wattig hat in diesem Zusammenhang auch vor kurzem einen interessanten Gedanken niedergeschrieben. Er spricht dort auch das “Vergessen” des Internets an. Genauer gesagt das Altern einer virtuellen Identität und damit das Zurücklassen der digitalen Vergangenheit.

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Ist der Informationsüberfluss Hemmstoff für unsere Innovationsfähigkeit?

Freitag, 30. Oktober 2009 10:28

Im Zug hat man endlich mal Zeit für einen klaren Gedanken – so geschehen am Freitag Abend als ich selbst gerade gemütlich meine RSS-Feeds lese.

Die Vernetzung der einzelnen Medienkanäle ist schon eine feine Sache kommt mir in den Sinn. Es ist verdammt einfach eine ganze Menge Zeit damit zu verbringen die Medienprodukte anderer Leute lediglich zu konsumieren. Hier eine Bildergalerie angucken, da ein gut gemachtes Video anschauen und dann direkt weiter zum Blog seiner Wahl um die neuesten Gedanken zu einem brandaktuellen Thema nachzulesen …

Mir kommt der Gedanke: Verleiten nicht immer mehr Kanäle die Input ermöglichen dazu zu sagen, dass man selbst gar nichts mehr zum Pool an Informationen und Gedanken beitragen muss? Jede einzelne Person kann sich theoretisch auf so viele Wege informieren, dass es nicht mehr zu bewältigen ist. Eine wichtige Kompetenz besteht für mich bereits darin eine Auswahl zu treffen und Qualitätsunterschiede zwischen den Quellen auszumachen. Natürlich wird es immer eine kleine Gruppe geben die anders denkt und dies erkennt, mir geht es aber um die große Masse der Leute.

Mein eigentlicher Kerngedanke war aber folgender: Innovation kann nur dadurch entstehen, dass eine ausreichend hohe Zahl an Leuten Denkleistungen erbringt und diese auch bereitstellt. Die trügerische Vielfalt an Informationen hemmt diese Motivation allerdings. Die Verknüpfungen der Quellen untereinander bildet ein unendlich verworrenes Netz, dass keiner mehr zu entschlüsseln vermag. Die Gefahr besteht, dass man nur denkt man erfährt etwas Neues. In Wirklichkeit tritt man aber auf der Stelle, denn gegenseitiges referenzieren schafft keine Innovation. Die sicherste Alternative besteht darin, es selbst in die Hand zu nehmen und einen eigenen Wert beizusteuern.

Selbstreflexion und -kritik sind also umso wichtiger je weiter man in die Tiefen des Medienkonsums abtaucht.

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Freunde als Tauschware – oder: Wie kopiere ich mir einen Freund mit wenigen Klicks?

Donnerstag, 29. Oktober 2009 15:16

091029-facebook_Freunde_cropNeulich bei Facebook: Beim Check der Neuigkeiten meiner Kontakte fällt mir oben rechts im Fenster folgender Hinweis auf: “Person XY hat nur 18 Freunde – hilf ihr mehr zu finden”.

Diese digitale Welt ist schon komisch. Es kommt mir so vor, als ob die Anzahl der Freunde sich proportional zum Mooreschen Gesetz zu verhalten scheint. Alle 24 Monate müssen es doppelt so viele sein um mit dem Trend mitzuschwimmen. Wird es dadurch aber besser? Klar sorgt die Digitalisierung für eine immens gesteigerte Reichweite jedes einzelnen Partizipienten und dadurch auch für mehr Kontakte. Nur diese Art der Ansprache wie sie Facebook betreibt verleitet doch nur so zur Oberflächlichkeit. Zur Steigerung des eigenen Karmas sucht man der betreffenden Person doch gerne mal ein paar Leute von sich raus die er kennen könnte oder nicht? Hauptsache der arme Kerl muss mit seinen “nur” 18 Freunden nicht mehr so traurig und allein darstehen.

Damit will ich nicht sagen “früher war alles besser… jammer jammer”. Nein, damit würde man sich entschieden gegen den Fortschritt wehren und das will ich nicht. Ich bin überzeugt das in jedem Fortschritt etwas positives steckt. Die Herausforderung besteht darin diesen neuen Möglichkeiten angemessen zu begegnen und für sich zu nutzen.

Soziale Netzwerke verschmelzen immer stärken mit unserem “echten” Leben. Sei es bei den so gennanten “Social Games” wo man echtes Geld für Spieldollars eintauschen kann oder einfach nur seine Ansammlung von Kontakten, auch liebevoll “Freunde” genannt. Ein Großteil der Nutzer kann teilweise nicht mehr unterscheiden wo man sich gerade aufhält (digital oder real), davon bin ich überzeugt. Dabei wird die Trennung doch immer wichtiger. Natürlich befinden sich auch in meiner Kontaktliste “echte” Freunde und ich will damit diese auch auf keinen Fall beleidigen. Vielmehr will ich auf die oberflächlichere Handhabung hinweisen. Die kritische Hinterfragung wird immer wichtiger.

Es fängt schon bei der Definition des Wortes “Freund” an. In der digitalen Welt ist dies für mich eher ein “Kontakt” bzw. Teil eines Netzwerks von Kontakten mit denen man untereinander erfolgreicher ist. Freunde kann man doch nicht einfach per Empfehlungsfunktion von Facebook verdoppeln und kopieren wie eine MP3! Sie sind für mich heute genauso rar wie “damals”. Wer 378 “Freunde” bei Facebook hat kann immernoch völlig alleine in der realen Welt darstehen und sich eine Person wünschen auf die er sich verlassen kann. Vielleicht hat die Person der ich mehr “Freunde” empfehlen soll ja auch dieses Verständnis und hat nur die engsten Vertrauten im direkten Wortsinn des “Freundes” in ihrer Kontaktliste.

Und genau hier liegt der Punkt, an dem sich die Medienkompetenz jedes Einzelnen festmacht. Schafft man es einen Nutzen aus den neu verfügbaren Möglichkeiten zu ziehen und sich darüber abzuheben oder schwimmt man in der Masse mit? Der adäquate Umgang und die Wahrung einer kritischen Haltung wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Schafft man dies nicht, dann geht jede Kritikfähigkeit verloren.

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Maytag – Masterplan zum Kunden verlieren

Mittwoch, 2. September 2009 10:50

Auf Werbeblogger war Vorgestern eine äußerst interessante Zusammenfassung von der Interaktion von Kundenservice und Kunde bei der Firma Maytag zu lesen. Alle Details möchte ich an dieser Stelle nicht nochmal wiederholen, ich kann nur so viel sagen: Die Lektüre aller dort beschriebenen Geschehnisse lohnt sich!

Leider ist der Kundenservice an den falschen verärgerten Verbraucher geraten. Dies war nämlich Heather Armstrong -- und die unterhält aktuell (02.09.2009) alleine 1,168 Mio. Follower bei Twitter und schreibt ein viel gelesenes Blog. Ihre Erlebnisse mit dem Unternehmen und dessen Kulanzbereitschaft formulierte sie sehr ausführlich und eindeutig bei Twitter und in einem Artikel.

Was soll man dazu noch mehr sagen? Der Vorfall reiht sich wunderbar in diverse Vorfälle ein, die über das Internet zu nie da gewesener Aufmerksamkeit gelangten. An dieser Stelle sei als Beispiel nur der liebevoll inszenierte Parodiesong für United Airlines erwähnt der mittlerweile 5,3 Mio. Views hat und aus einem beschädigten Gepäckstück entstanden ist das das Unternehmen nicht ersetzen wollte.

Gar nicht oft genug kann man betonen, dass mit dem heutigen Stand der Technik solch ein Verhalten gnadenlos “bestraft” werden kann und auch immer häufiger wird. Die Betroffenen verschaffen sich Luft über ihren Unmut. Im besten Fall lesen es nur eine Handvoll Leute, meistens aber wohl eher mehr. Gerade solche direkten Ansprachen wie z.B. “DO NOT BUY MAYTAG” haben bei den Sympathisanten ein Vielfaches an Wirkung auf die Meinungsbildung als eine Werbebotschaft. Sie identifizieren sich ja schließlich freiwillig mit der betreffenden Person und gewichten deren Aussagen völlig anders.

Auf der anderen Seite steht in dieser Angelegenheit Bosch. Denn die haben die Zeichen erkannt und prompt Bereitschaft signalisiert ein neues Gerät zu stellen. Am Ende des Tages konnten sie so noch eine Menge Gratis-PR einfahren. Die Maschine wurde auf Wunsch von Heather Armstrong gespendet und sie kommentierte das alles sehr ausführlich auf Twitter und erwähnte Bosch dabei mehrfach.

Schade das so viele Unternehmen eine solch geringe Medienkompetenz für den digitalen Bereich mitbringen.

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