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Identitätsmangel der Politik

Sonntag, 27. September 2009 14:54

Aus ganz aktuellem Anlass (heutige Bundestagswahl) versuche ich meine Gedanken zu einem Thema in Worte zu fassen das ich nun schon einige Zeit beobachte – Die Diskussion um die Wahlbeteiligung. Schon lange wird in Deutschland ein stetiger Rückgang der Wahlbeteiligung beklagt, bei vielen Wahlen werden neue Negativrekorde erreicht.

Die Ursache dieser Entwicklung ist sicher in einer Vielzahl von Gründen zu suchen. Kritik ist darüber hinaus immer einfach, die Verbesserung stets ein Kraftakt. Also für was steht Politik eigentlich? Eine wesentliche Aufgabe besteht für mich darin, den Menschen eine Vision aufzuzeigen und durch dieses klare mittel- bzw. langfristige Ziel eine einzigartige Identität auszustrahlen mit der man sich identifiziert.

Die aktuelle Politik leidet für mich vor allem unter einem Identitätsmangel. Der Bezug einer klaren Position mit eindeutigen Aussagen fehlt. Die Strahlkraft, durch das transportierte Image der Bevölkerung Rückhalt zu bieten und sie ihre Stimme in gutem Gewissen abgeben zu lassen – Kurz gesagt, eine Leitfigur fehlt. Es gibt zwar Spitzenkandidaten die ganz vorne ins Rennen geschickt werden. Diese leiden aber unter den nicht prägnant genug formulierten Zielen der Parteien wie ich finde. Der Identitätsmangel wird in Teilen auch dadurch erzeugt, dass kein adäquater Umgang mit zeitgemäßen Medien erfolgt.

Ich mache das an einem hohen Anteil an Spontanwählern fest. Die vielfältigen Ansätze selbst etwas zu bewegen bzw. sogar Parodien (um nur einige prominente Beispiele zu nennen: Piratenpartei, Die Partei, Online-Petition von Franziska Heine, Die Politik-Parodie von Horst Schlämmer HSP) sind für mich ebenfalls ein deutlichen Anzeichen dafür, dass diese Menschen keine andere Möglichkeit sehen, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Eine deutliche Ablehnung des angebotenen Parteiprogramms. Vielleicht aber auch sogar ein Vertrauensverlust insgesamt.

Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft wird es sein, das Bild der Parteien wieder zu schärfen und die diffuse Positionierung zu korrigieren.

Thema: Gedanken | Kommentare (1) | Autor: Simon

Die CDU ist eine Copycat

Donnerstag, 30. Juli 2009 14:37

Da ist es wieder, das rote-Tuch-Thema Wahlkampf. Möge der Kampf um die Wähler eröffnet sein – mit allen Mitteln. Die CDU soll in den folgenden Zeilen besondere Beachtung finden.

Herr Wuttke von der CDU macht aktuell mit diesem Spot auf sich und sein “Team” aufmerksam und wirbt mit dem Gegensatz zu “den anderen”.

Ich fasse mal kurz zusammen: Da gibt es seit geraumer Zeit von einer Firma mit einem angebissenen Apfel als Firmenlogo eine Spotreihe die Computerbetriebssysteme in personalisierter Form vor die Kamera schickt.

Hier drängt sich der dringende Verdacht auf, dass sich hier fleißig und umfassend bedient wurde. Einige wesentliche Gemeinsamkeiten:

  • Das Setting vor weißem Hintergrund/ neutraler Raum
  • Die Hintergrundmusik
  • Die Mechanik des direkten Vergleichs
  • Die Personalisierung von Attributen
  • Der teilweise nahezu identische Kleidungsstil

Nun gibt es aber ein Problem an der Sache – bei Apple ist dieser Vergleich durchaus authentisch und versprüht einen ganz speziellen weil wahren Humor. Bei der CDU allerdings nicht. Hier mutiert der Spot zu einer weiteren inhaltsleeren Aussage die sich in eine Reihe mit den Wahlplakaten einreiht. Es fehlen ganz einfach die Taten die diesen Aussagen folgen.  Bei Apple sind die Produkte die Botschaften die den gemachten Aussagen in den Spots Echtheit verleihen.

Vielleicht findet man ja auch irgendwo noch ein Wahlprogramm das geeignet erscheint es eins zu eins zu übernehmen und für eigene Zwecke zu verwenden.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Dialogversuche der Politik

Dienstag, 7. Juli 2009 14:38

So langsam kommen wir ja in Deutschland in Wahlkampfstimmung. Die üblichen Steuersenkungsversprechen zur Aufstockung des Wählerkreises sind als Einstieg ja schon gemacht. Als nächstes wird man dann wohl wieder die tollen Wahlplakate sehen können.

Nun gibt es da aber auch dieses momentan so sagenumwobene Internet. Stopschilder sollen dort bald zu sehen sein, die Jugendgeneration soll es verdummen lassen und süchtig soll es auch machen. Dieses Medium ist aktuell bei unseren Politikern auch sehr im Trend. Es ist totschick sich im Social web zu präsentieren und dort Pseudoeinblicke in seine Aktivitäten zu geben.

Gestern liest man dann bei Welt Online, dass Angela Merkel nun die Marke von 50.000 Anhängern bei StudiVZ überschritten hat und sich nun (quasi als dankeschön) dazu entschlossen hat auch Fragen auf ihrem Profil zu beantworten. Wie bitte?

Anscheinend sind einige Berater noch nicht im 21. Jahrhundert bezüglich der Erwartungen des Rezipienten angekommen. Der Rezipient rennt schon lange nicht mehr bedingungslos seinem Kommunikationspartner hinterher. Er erwartet die persönliche Ansprache und den ebenbürtigen Dialog. 2009, in Zeiten der Echtzeitkommunikation, sieht die Welt nochmals komplett anders aus. Haben wir die stufenweise Kommunikation nicht schon länger hinter uns gelassen? Schade das man auf keine kreativere Idee in einem sozialen Netzwerk kommt, als Fragen zu beantworten.

Das ist in etwa so viel Dialoggehalt wie sich bei RTL hinzusetzen und dort einer Handvoll wahrscheinlich vorher auf Tauglichkeit geprüfter Fragen zu stellen. An Stelle Fragen zu beantworten sollte man sich lieber Gedanken machen wie man den Wählern klar macht, wo die Reise während der nächsten Regierungszeit hingeht und glaubwürdig einen Weg aufzeigen wie man das anstellen wird.

Es gibt meiner Meinung nach ein größeres Problem bei allen Parteien in Deutschland. Sie haben entweder keine wirkliche Vision für die Zukunft oder sind einfach nicht in der Lage diese medial zu inszenieren. Ist das nicht frustrierend? Ich warte immer noch sehnsüchtig auf eine Politikkampagne die mich überzeugt und für einen “AHA-Effekt” sorgt.

Andere Parteien reiben sich schon die Hände die frustrierten Wähler abzugreifen (oder eingebundes Video unten). Diese dort beschriebene Lage ist sicher nicht auf ganz Deutschland in dieser krassen Ausprägung zu übertragen. Allerdings machen die aktuellen Wahlergebnisse doch sehr deutlich wie den Traditionsparteien die Wähler davonlaufen und “frischen” Ideen eine Chance geben.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Nachruf zur EU-Wahl vom 07.06.2009

Dienstag, 30. Juni 2009 22:35

Es ist schon ein paar Wochen her, dennoch möchte ich noch mal die EU-Wahl in Erinnerung rufen. Dort schreckte man ja zusammen, als von der rekordverdächtigen Wahlbeteiligung im negativen Sinne berichtet wurde. 43,24 Prozent der EU-Bürger haben es nur noch an die Urne geschafft.

Die Politiker beklagen grundsätzlich das schwache Interesse der Bürger an den Wahlen, die Bürger hingegen die Verwirrtheit über die Wahlprogramme. Wer jetzt wo Recht hat mag wohl Niemand mehr sagen zu können. Fest steht aber, dass es ein Zustand ist der gewöhnungsbedürftig ist.

ZAPP auf NDR hat diesen Sachverhalt unter dem Thema „Lustloser EU-Wahlkampf“ recht amüsant kommentiert.

Vergleicht man das mit der Theorie der „integrierten Kommunikation“, fallen viele Gemeinsamkeiten auf. Es ist ja nicht nur bei der EU-Wahl so gewesen. Seit Jahren fallen mir die nichtssagenden Wahlplakate bzw –programme auf. Nach der Theorie der „integrierten Kommunikation“ ist diese Lage eine krasse Diskrepanz zwischen Ist- und Sollbild. Als Unternehmen (in diesem Fall die Politiker) muss man bei seinen Kunden (die Wähler) für ein authentisches Gesamtbild sorgen. Andernfalls werden alle Bemühungen sehr kurzfristig bleiben und früher oder später auf Ablehnung stoßen. Driftet die Seite der Versprechungen und der Handlungen sogar auseinander, ist das Ergebnis Ablehnung seitens der Kunden (also der Wähler). Allein in diesem kurzen Beitrag von ZAPP sind diverse eklatante Fehler zu beobachten, die fast schon nicht mehr nachvollziehbar sind unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dort mediengeschulte Profis auftreten.

Offensichtliche Ignoranz gegenüber dem Willen des Volks setzt dem ganzen dann nur noch die Krone auf. Nachhaltige Kundenbindung erreicht man nur durch die Übereinstimmung von Versprechen und Handeln. Würden die Politiker in Deutschland wirklich im Dienst einer echten Vision stehen anstatt sich permanent die Rosinen rauszupicken würden auch die Wahlbeteiligungen wieder steigen, davon bin ich überzeugt.

StudiVZ Merkel

Die aktuellen Berichterstattungen über die anstehenden Regierungswahlen zeigen leider das gleiche traurige Bild. Aber dafür geht man ja jetzt seit neuestem auf Sympathiekurs mit den jungen Wählern und zeigt sich z.B. im StudiVZ. Da man ja jetzt „Interaktion“ mit der Zielgruppe meint zu üben kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon