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Twitter ist die bessere SMS – Angela Merkel und das Social Web

Sonntag, 14. November 2010 12:58

Bereits vor Jahren (2004) gab Angela Merkel ihre Vorliebe für SMS zum Besten. Sogar im Bundestag soll sie des öfteren SMS verschicken. Es wird auch hin und wieder berichtet, dass sie große Freude daran habe per SMS aktuelle Nachrichten direkt aus den Tagungen zu schicken. Aber wie sieht es mit den wirklich neuen Medien aus? Tippen wir doch mal kurz in die Personensuche bei Twitter “Angela Merkel” ein. 20 Accounts behaupten dort die Bundeskanzlerin zu sein (Stand 14.11.2010). Warum gerade Twitter als Beispiel?

Bezüglich der aktuellen Entwicklungen beim Projekt Stuttgart21 und der beschlossenen Energiepolitik (Atomkraft bis 2050) wollte ich in zynischer Manier Angela Merkel in einem Tweet verlinken – dies war aber gar nicht möglich, da es keinen offiziellen Account gibt. Fake-Accounts gibt es dagegen reichlich, wie die Suche zeigt. Manche von ihnen mit reichlich derbem Inhalt und sogar recht geschmacklos. Twitter… naja, werden jetzt einige denken. So wichtig ist das nun auch wieder nicht. Man weis bis heute im Details nicht recht was dieses relativ neue Sprachrohr eigentlich darstellt. Auch ich möchte das nicht überbewerten. Allerdings ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Twitter durch mehrere Millionen User eine große Reichweite besitzt und es von vielen medienaffinen Menschen genutzt wird, die die kurze und schnelle Informationsweise adaptiert haben. Kurze Infohäppchen für zwischendurch. Vertiefen nur bei Bedarf. Gerade diese Leute sind potentielle Multiplikatoren für News. Informationen werden aufgegriffen und weiterverbreitet – positive wie negative.

Aber was ist mit Facebook? 56.000 “Freunde” können doch nicht verschwiegen werden. Richtig und falsch. Angela Merkel hat ein Facebook Profil und postet dort auch regelmäßig Infos – Richtig. Schaut man aber in die Kommentare der News, finden sich regelmäßig Kritikkommentare die unkommentiert bleiben. Das Konto ist also nicht redaktionell betreut, schon gar nicht persönlich. Außerdem ist jede Interaktion untersagt/ abgeschaltet. Für mich reduziert sich das Profil also auf “bei Facebook um bei Facebook zu sein”. Es wird nicht die Mechanik des Mediums aufgegriffen sondern nur Aufmerksamkeit geheuchelt - Falsch.

Kurze Zeitreise: Wer kennt noch den Remix-Generator für die 2009er Plakate der CDU? (Best-of-Gallerie: hier) Der war ja zu gegebener Zeit “der letzte Schrei”. Dafür, dass man dort so vehement mit dem Anwalt drohte, lässt man beim Beispiel Twitter reichlich Leine. Ich würde gerne wissen, wie viele Leute nicht wahrnehmen, dass hier nicht die “echte” Angela Merkel twittert. Dem Anschein nach sind es Leute, die sich die Bekanntheit zu Nutze machen um andere im Namen von Angela Merkel mehr oder weniger zu amüsieren (siehe geschmacklose Posts). Darüber hinaus: Bei den Plakaten war es noch ein sehr kontrolliertes und konzentriertes Umfeld, indem die Auseinandersetzung ablief. Bei Twitter hingegen ist das Publikum wesentlich unkontrollierter und diffuser. Nun gut, die sog. Medienexperten und Berater werden schon wissen was richtig ist.

In einem spannenden Artikel in der ZEIT wird die zunehmende Entfremdung von Gesellschaft und Politik angesprochen. Vertrauendverlust und Spaß am Protest (weil die Möglichkeiten vorhanden sind) sind weitere Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Ob das mit der bisherigen Vorgehensweise noch gelingt? Wo Millionen in Wahlkampagnen fließen wären doch gerade diese quasi-Gratis Medien viel interessanter. Selbst wenn auch nur als Ergänzung. Dort ist die Zielgruppe die es gilt abzuholen und sich einzuklinken. Doch dies erfordert natürlich auch Mut und die Aufgabe von Kontrolle.

Thema: Gedanken | Kommentare (1) | Autor: Simon

Youtube und die neuentdeckte Kreativität über den Videocontent hinaus

Dienstag, 9. November 2010 12:21

Jeder halbwegs an Youtube interessierte User kennt noch die fünf-Sterne-Bewertungsfunktion von Youtube. Diese wurde ja bekanntlich vor einiger Zeit abgeschafft und durch eine noch einfachere Methode abgelöst: Daumen hoch oder runter für das, was man gerade gesehen hat. Im Zuge dieser Umstellung wurde auch die Möglichkeit eingeführt, für einzelne Kommentare seine Stimme abzugeben. Somit konnte den Aussagen ab diesem Zeitpunkt endlich eine Qualität durch die User selbst gegeben werden. Denn durch positive Bewertung eines Kommentars wird die chronologische Reihenfolge überschrieben und er gelangt an oberste Stelle.

Dieses Schauspiel schaue ich mir jetzt schon einige Zeit an und muss sagen: Das neue Bewertungssystem hat eine komplett neue Dynamik in die Youtube-Community gebracht. Ein User mit einem passenden Kommentar wird nun dadurch “belohnt”, dass ihn andere User nach oben werten können und er dadurch eine stärkere Relevanz erhält. Vor dieser Änderung fanden gute und/oder witzige Kommentare nur zufällig Berücksichtigung da sie chronologisch geordnet waren.

Auffällig ist, dass die besten (also die mit den meisten positiven Bewertungen) Kommentare oft einen sehr speziellen Humor aufweisen. Auf vielfältige Weise stehen sie in Bezug zum Inhalt des Videos und verleihen den Bildern eine zusätziche Note. Dies geschieht entweder direkt (bestbewerteter Kommentar zu einem Musikvideo):

oder auch zwischen den Zeilen (hier ein Kommentar, wo ein User sich zum quietschenden Stuhl des Video-Bloggers auslässt):

Diese beiden Beispiele (und ihr werdet sicher noch unzählige weitere haben) zeigen, was die Umstellung seitens Youtube mit der Dynamik der Community gemacht hat. Es ist ja seit Jahren bekannt, dass nur ein kleiner Teil der User wirklich aktiv Inhalte zum Social Web beisteuert. Die überwiegende Mehrheit hört nur zu oder postet vielleicht noch einen Kommentar.

Das System von Youtube setzt genau da an und ermuntert sozusagen regelrecht zum Mitmachen. Videos laden die wenigsten hoch. Schon wesentlich mehr kommentieren aber die Inhalte. Wenn man das auch nicht möchte, kann man immerhin noch über das Video oder den Kommentar abstimmen. Zusätzlich zu den Usern die sowieso eigene Videos hochladen und damit ihre Kreativität unter Beweis stellen, werden nun aber auch weitere User aktiviert. Immerhin besteht die Möglichkeit, durch einen treffenden Kommentar an die Spitze zu gelangen und damit Aufmerksamkeit zu erhalten.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Medialer kalter Entzug – Ein freiwilliger Selbstversuch

Freitag, 10. September 2010 11:26

Wie die letzten Jahre auch ging es für mich dieses Jahr wieder nach Österreich – in den Bikepark Leogang zum Downhill. Zwei Wochen Sporturlaub, yeah! Nach dem Studium genau das richtige als Ausgleich. Natürlich war mein Smartphone auch dabei. Diese tollen verführerischen Spielzeuge sind bei mir nämlich nicht mehr weg zu denken. Wieso auch, kann man doch so viele geniale Dinge damit anstellen.

Wie sehr und schnell man sich an diese Hilfsmittel gewöhnt wurde mir eigentlich erst klar, als ich ernsthaft vor dem Urlaub darüber nachdachte mir für die Dauer des Aufenthalts eine österreichische Prepaid-Handykarte zu kaufen, damit ich auch im Urlaub mobil ins Internet kann.

Soviel vorab: ich habe es nicht getan!

Kurz vor der Grenze zu Österreich wurde es daher spannend. Noch war das begehrte “3G” zu sehen, aber dann – nix mehr. Das Gefühl ab sofort nicht mehr ständig nach den aktuellsten News schauen zu können war zugegebenermaßen anfangs sehr komisch.

“Verpasse ich was”?

“Was hat Kontakt X gerade für spannende Neuigkeiten gepostet”?

“Was sind angesagte RSS-News”?

waren nur einige Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Das aber auch nur kurz muss ich sagen. Dann wurde mir schlagartig bewusst, welchem “Lärm” ( im Sinne von Ereignissen in den einzelnen Medienkanälen) man sich täglich und freiwillig aussetzt. Es wird auf eigenartige Weise still um einen herum und das fühlt sich eigentlich sehr angenehm an. Kein Signalton für neue E-Mails, keine Push-Notifications über neue Statusmeldungen, keine neuen RSS-Feeds als Gute-Nacht-Geschichte. All das habe ich ersetzt durch viele persönliche Diskussionen, lesen, länger schlafen und viel Sport. Fairer Tausch! Einfach mal abschalten und wieder klarkommen.

Eine Pause von all dem oben geschilderten hat mein Bewusstsein für diese Dinge wieder “gerade gerückt” und aufgezeigt, dass viele Dinge gar nicht so relevant sind wie sie durch die permanente Verfügbarkeit erscheinen. Durch das Überangebot wird eine strenge Selbstkontrolle meiner Meinung nach immer wichtiger. Schon jetzt ist es zeitlich unmöglich allen Medienkanälen adäquat zu folgen, weshalb man stark selektieren muss. Wenn man sich nun auch noch einbildet permanent erreichbar sein zu müssen und nichts verpassen zu wollen wird es fast schon grenzwertig. Durch die kleine Auszeit ist bei mir sogar wieder etwas vom Spaß zurückgekehrt, sich mit den Informationsmöglichkeiten auseinander zu setzen.

Natürlich haben die Möglichkeiten auch viele positive Seiten, die ich hier wohl nicht zu nennen brauche. Vielmehr will ich hier etwas überspitzt die Verlockung darstellen, die heutige Medien haben können (siehe Überlegung mit der Prepaid-Karte). Entzugssymptome wie bei einem echten “kalten Entzug” haben sich glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt gezeigt, weshalb ich mich selbst als therapierbaren Fall bezeichnen kann ;-)

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StudiVZ – das unsoziale Netzwerk

Dienstag, 30. März 2010 12:17

Eins vorab: Ich will diesen Eintrag nicht als Anlass nehmen, um auf StudiVZ einzubashen. Nein das ganz gewiss nicht. Vielmehr haben mich aktuelle Vorfälle zu diesen Überlegungen gebracht. StudiVZ stellt für meinen Geschmack erstaunlich wenig Funktionalitäten bereit, um seine Kontakte zu pflegen und einen mühelosen Austausch zu gewährleisten. Als mir eine dieser (wenigen) Funktion zusätzlich nicht mehr zur Verfügung stand habe ich mir den Rest mal genauer angeschaut.

Was macht eigentlich ein “soziales Netzwerk” aus? Für mich sind das gegenseitige Bezüge mit den Kontakten seiner Wahl und der Austausch, so dass ein Mehrwert für alle entsteht. Kerngedanke ist für mich auch ein globales soziales Miteinander (übrigens sehr lesenswertes PDF auf der verlinkten Seite zum Download).

StudiVZ ermöglicht aber das gerade nicht direkt. Es gibt nur persönliche Nachrichten, Chat, Foren in Gruppen und den Buschfunk, man trifft nie direkt aufeinander im Sinne von Bewertung der Inhalte oder offener Diskussion. Das sorgt dafür, dass jeder Einzelne mehr oder weniger isoliert unherschwirrt und sich alle auf kleinen autarken Inseln bewegen, je nachdem mit wem sie gerade in Kontakt stehen. Das sind jedoch fast ausschließlich Kontaktsituationen zwischen nur zwei Personen. Verbindungen untereinander sind sehr schwach bzw. gar nicht ausgeprägt. Gutes Beispiel ist der Buschfunk: Einträge wirken völlig aus dem Zusammenhang gerissen und ergeben einzeln betrachtet kaum Sinn. Nur die zwei Personen die es betrifft können den Zusammenhang herleiten.

Auf diese Weise kann sich keine Dynamik entfalten, in der Nutzer z.B. eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Rollen übernehmen. Ein wichtiges Element eines Netzwerks, wie ich finde, wird also unterbunden:

Der Wert und somit die Relevanz einer angebotenen Information wird durch die ihr zugewendete Aufmerksamkeit bestimmt.

Man kann aber bei StudiVZ keinerlei Bewertung von Inhalten vornehmen und auch nicht kommentieren. Dadurch kann auch keine Aufmerksamkeit sichtbar gemacht werden. Somit sind alle Informationen gleich relevant bzw. bei der Fülle an Informationen gleich unrelevant um es frech zu sagen. Es entsteht somit kein Mehrwert für alle Nutzer. Eine Eigenschaft, die Netzwerke eigentlich interessant macht.

Ein Blick in das Forum für Nutzeranregungen zeigt aber Hoffnung:

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StudiVZ, Buschfunk und die Twitter-API – aktuell keine guten Freunde

Donnerstag, 18. März 2010 14:58

Bin ich der einzige der Twitter nutzt, seinen Account gerne mit dem Buschfunk synchronisiert haben will und merkt das da etwas nicht stimmt? Mir scheint es ehrlich gesagt so, denn Google spuckt auf mein Problem als brauchbares Ergebnis nur meinen eigenen Hilferuf im Entwicklerblog aus.

Ich bin nicht mehr, trotz verbundener Accounts, in der Lage in den Buschfunk von Twitter aus zu posten. Eine Lösung habe ich bisher nicht gefunden. Da das nicht so bleiben soll gieße ich die Thematik nun mal in einen kurzen Blogbeitrag der hoffentlich etwas Licht ins Dunkel bringt und von Suchmaschinen etwas besser gefunden wird.

Es heißt dort offiziell:

der Fehler hat nichts mit dem Release zu tun, es gibt allerdings derzeit ein Problem mit der Anbindung an die Twitter API. Wir sind da dran.

Aktuell heißt es also “Copy & paste” von Twitter aus oder direkt aus dem Buschfunk posten.

Update (24.03.2010): Es geht bei mir seit gestern Abend wieder.

Update (30.03.2010): Rückmeldung vom Support erhalten. Das Problem soll weiterhin bestehen und man solle sich bitte noch etwas gedulden. Komischerweise kann ich bereits die Funktion wieder nutzen, siehe Update vom 24.03.

Thema: Tutorials | Kommentare (2) | Autor: Simon

Cyberwar im Maßstab 1:32 – Battlefield Bad Company 2 Tank Commander

Sonntag, 28. Februar 2010 12:26

Am 05. März 2010 erscheint der neueste Titel der Battlefield-Reihe von EA -- Battlefield Bad Company 2.

Bis zum 25. Februar lief bereits die geschlossene Beta-Phase. Dort konnte man bereits einen exklusiven Eindruck in das kommende Spiel gewinnen und den Entwicklern Feedback über Gameplay und Bugs geben. Die begehrten Beta-Keys konnte man entweder durch Losverfahren oder durch die Vorbestellung der Limited-Edition bekommen -- clever um die Begehrlichkeit zu steigern, denn die Spielereihe genießt seit der Erscheinung einen sehr guten Ruf.

Positiv ist aber wirklich die Nähe zu den Usern anzumerken. Die Entwickler sind regelmäßig in den Foren anzutreffen und antworten auf Fragen, twittern Updates und auf Youtube und dem Blog werden neue Gameplay-Videos und Screenshots veröffentlicht. Kontakt zur Zielgruppe ist also recht umfangreich und glaubwürdig. Das kann ich aus eigener Erfahrung zumindest sagen. Bisher also gut inszeniert. Blicke hinter die Kulissen und in die Entwicklungsarbeit runden das Bild ab.

Wie man aber sicher unschwer erkennen kann klafft zwischen dem 25. Februar und dem 05. März eine Lücke. Was also tun wenn man durch die bisherige Kampagne rund um das Spiel so gefesselt ist, das man nicht weis wie man die Zeitspanne überbrückt? (nur ironisch gesprochen)

Kein Problem: Das Browsergame Battlefield Bad Company 2 Tank Commander. Dabei ist es kein gewöhnliches Browserspiel, wie die Making-of Fotos zeigen. Denn der Spieler steuert hierbei Panzermodelle die auf einem kleinen Schlachtfeld platziert sind.

Der Clou: Die Panzermodelle sind echt. Eine Webcam überträgt ein Livebild und über das Flash-Interface werden dann Steuerbefehle gegeben. Im Blog wird diese Art von Spiel als “das erste seiner Art beschrieben”. Selbst wenn nicht, trotzdem eine grandiose Idee. Mir ist soetwas bisher jedenfalls nicht bekannt. Als Sahnehäubchen können Besucher des Cineplex in Singapur den Aufbau auch live verfolgen. Witzigerweise sieht man auch zeitweise Menschen am Rand stehen oder vorbeigehen. Dieses kleine Schmankerl endet dann passend zum Release-Termin des eigentlichen Spiels und es werden für die fleißigsten Spieler noch Preise verlost -- leider nur in Singapur selbst.

Ich habe mir das Ganze auch mal aus der Nähe angeschaut:

Leider gibt es einen Haken (zumindest für mich aus Deutschland). Die Ping ist so hoch und die Bidlqualität der Webcam so unterirdisch schlecht das ich kaum eine Möglichkeit habe die Modelle zu steuern geschweigedenn etwas zu erkennen. Befehle kommen entweder gar nicht an oder werden Sekunden später umgesetzt. Dennoch habe ich es der Neuartigkeit wegen getestet und finde die Idee super. Ist eben mal was völlig anderes. An der Ausführung hapert es jetzt nur leider so stark das es einfach keinen Spaß macht.

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Was ist Erfolg im Social Web?

Samstag, 26. Dezember 2009 12:30

Blickt man auf die Entwicklung des Internets bis zum heutigen Tag zurück erkennt man unschwer einen Wandel von der Vernetzung von Computern hin zur Vernetzung von Personen – Willkommen im Web 2.0. Individualisierte Angebote im Rahmen des Social Web sind besonders beliebt. Diesen Trend hat man auch im Marketing erkannt und spricht zurecht von einem Paradigmenwechsel (Vgl. u.a. Bruhn).

Marken, wohl eher die Berater, erkennen immer mehr das Potenzial welches sich im sagenumwobenen Social Web verbirgt und platzieren entsprechende Profile überall auf den einschlägigen Plattformen um sich diese willkommene Reichweitenverlängerung nicht entgehen zu lassen. Ist ja auch nichts weiter bei könnte man denken. Mal eben das Profil angelegt und schon können die Konsumenten der Marke huldigen indem sie zu Tausenden den “Fan werden”-Button drücken und so die Bekanntschaft der Marke weitertragen.

Ich beobachte das jetzt schon eine ganze Weile so. Für mich kristallisiert sich dabei immer stärker ein Kernaspekt heraus der über Erfolg bzw. Nichterfolg entscheidet und die Angelegenheit leider komplizierter macht als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Es muss nämlich der Unterschied zwischen “ich finde ein Profil gut” und “es sagt etwas über meine Gesinnung aus das ich das Profil von Marke XY gut finde” bedacht werden.

Der letztere Punkt ist wohl der erstrebenswertere. Leidet ist es aber auch so, dass an diesem Punkt das ungemein komplexe und zugleich empfindliche Thema “Image” haftet. Und das ist ein Aspekt der oft meiner Meinung nach vernachlässigt wird, dabei aber umso wichtiger wird je umfassender das “Social Web”-Angebot wird. Es ist eben doch mehr als “eben mal ein Profil online stellen” sich als Marke auf dieser Plattform zu präsentieren. Vielmehr muss es bei weiter fortschreitender Entwicklung als zusätzliches strategisches Instrument der Markenkommunikation betrachtet werden anstatt als “niche to have” Feature. Jeder Fan selbst ist doch gleichzeitig auch eine Aussage über die Marke.

Erfolg im “Social Web” ist also vor allem eine gezielte Verlängerung des Images der Marke. Audi, Apple, Barack Obama oder auch Nike sind gute Beispiele dafür (um mal einige spontane Beispiele zu nennen). Eine Person profitiert von dem Image dieser Marken indem die persönliche Einstellung teilweise auch über das Image der Marken transportiert und verstärkt wird.

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Spam – Die dumme Art zu nerven, von Twitter

Freitag, 13. November 2009 14:21

091113-Twitter_spam

Es gab mal eine Hochzeit in der ich eine dreistellige Anzahl an Spam-Mails pro Tag erhalten habe. Diese Zeit ist glücklicherweise vorbei. Nach aktuellen Zahlen von Bitkom scheinen aber immer noch mehr als 90% des Mailverkehrs aus Spam zu bestehen. Ich scheine da also eine Ausnahme zu sein, denn mein Verhältnis von Spam zu echten Mails liegt aktuell bei nur ca. 20%. Und das obwohl meine E-Mail-Adresse frei im Web zu finden ist.

Jetzt gibt es da ja so eine tolle Erfindung wie Twitter. Dort bekommt man mehr oder weniger “persönlich” Inhalte empfohlen von Personen denen man folgt (Following). Ich bekomme in letzter Zeit immer häufiger Benachrichtigungen von Twitter, dass Person XY mir nun folgt. Schaue ich nur kurz auf die Details dann weis ich das das nicht ernst gemeint sein kann (siehe Bild oben).

“Klassischen” Spam erhalte ich wie bereits erwähnt nur noch sehr wenig. Nur was ist eigentlich Spam? Für mich ist das eine E-Mail die keine Bedeutung für mich hat und deren Inhalt ich ohne gefragt zu werden zugestellt bekomme. Das Interesse beim Rezipienten ist gleich Null und sie wandert nach spätestens einer Sekunde in den Papierkorb. So auch bei den Auszügen aus den Twitter-Benachrichtigungen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es kaum möglich ist mehr als 50 Personen/ Institutionen bei Twitter wirklich aufmerksam zu folgen und den geposteten Links auch wirklich nachzugehen. Es sei denn man hat dies als Hauptbeschäftigung auserkoren. Wie man aber an den Screenshots oben sehen kann werden vermutlich einfach nur Tags von Bots gefiltert und dann der User hinter dem Tweet als “Following” hinzugefügt. Gefestigt hat sich diese Vermutung nach folgenden Tweet:

091113-Twitter_hashtag

Unmittelbar danach habe ich vier solcher E-Mails im Posteingang gehabt. Ich denke einmal aufgrund eines zu diesem Zeitpunkt sehr aktuellen Themas und dann aber auch wegen des Hashtags #Apple.

Meiner ständig schwankenden Anzahl an Personen die mir bei Twitter folgen entnehme ich außerdem, dass dies wohl noch einigen anderen Leuten so geht und diese Personen melden. Ich habe mich lange gegen Twitter aus mehreren Gründen verweigert, habe es dann aber doch als wertvolle Informationsquelle für die Recherche entdeckt. Das Thema Spam war mir aber von Anfang an negativ aufgefallen.

Diese penetrante Art andere Leute auf sich aufmerksam zu machen halte ich für äußerst dumm. Twitter ist ein hochpersönliches Medium. Die Effektivität basiert fast vollständig auf dem gezielten Auswählen von Leuten die für einen selbst etwas relevantes zu sagen haben (So nutze ich jedenfalls Twitter). Auf die Weise wie es bei Twitter aber immer mehr zur Marotte wird sind wir wieder beim Spamniveau von vor 10 Jahren angekommen. Man wird zugeballert mit Informationen die man nicht haben will und ist nur noch genervt. Glücklicherweise kann man die Benachrichtigungen über neue Floower ja abstellen. Mir geht es aber mehr um die Art auf sich aufmerksam zu machen.

Klar müssen auch die Spammer (hört sich ja fast schon an wie ein Beruf) mit der Zeit gehen und sich neue Wege suchen ihren Müll an die Leute heranzutragen. Nur vielleicht sollten sie da nochmal etwas besser überlegen ob das wirklich der richtige Weg ist. Vierstellige Following-Zahlen halte ich selbst für sehr unglaubwürdig und sind für mich immer ein klares Anzeichen dafür, dass die betreffende Person (ich rede nicht von News-Aggregatoren! – z.B. für den Raum Köln) entweder nur aus “Nettigkeit” mir auch folgt oder es pures heischen nach Aufmerksamkeit ist.

Achja, Spam in sozialen Netzwerken ist genauso ineffektiv…

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Freunde als Tauschware – oder: Wie kopiere ich mir einen Freund mit wenigen Klicks?

Donnerstag, 29. Oktober 2009 15:16

091029-facebook_Freunde_cropNeulich bei Facebook: Beim Check der Neuigkeiten meiner Kontakte fällt mir oben rechts im Fenster folgender Hinweis auf: “Person XY hat nur 18 Freunde – hilf ihr mehr zu finden”.

Diese digitale Welt ist schon komisch. Es kommt mir so vor, als ob die Anzahl der Freunde sich proportional zum Mooreschen Gesetz zu verhalten scheint. Alle 24 Monate müssen es doppelt so viele sein um mit dem Trend mitzuschwimmen. Wird es dadurch aber besser? Klar sorgt die Digitalisierung für eine immens gesteigerte Reichweite jedes einzelnen Partizipienten und dadurch auch für mehr Kontakte. Nur diese Art der Ansprache wie sie Facebook betreibt verleitet doch nur so zur Oberflächlichkeit. Zur Steigerung des eigenen Karmas sucht man der betreffenden Person doch gerne mal ein paar Leute von sich raus die er kennen könnte oder nicht? Hauptsache der arme Kerl muss mit seinen “nur” 18 Freunden nicht mehr so traurig und allein darstehen.

Damit will ich nicht sagen “früher war alles besser… jammer jammer”. Nein, damit würde man sich entschieden gegen den Fortschritt wehren und das will ich nicht. Ich bin überzeugt das in jedem Fortschritt etwas positives steckt. Die Herausforderung besteht darin diesen neuen Möglichkeiten angemessen zu begegnen und für sich zu nutzen.

Soziale Netzwerke verschmelzen immer stärken mit unserem “echten” Leben. Sei es bei den so gennanten “Social Games” wo man echtes Geld für Spieldollars eintauschen kann oder einfach nur seine Ansammlung von Kontakten, auch liebevoll “Freunde” genannt. Ein Großteil der Nutzer kann teilweise nicht mehr unterscheiden wo man sich gerade aufhält (digital oder real), davon bin ich überzeugt. Dabei wird die Trennung doch immer wichtiger. Natürlich befinden sich auch in meiner Kontaktliste “echte” Freunde und ich will damit diese auch auf keinen Fall beleidigen. Vielmehr will ich auf die oberflächlichere Handhabung hinweisen. Die kritische Hinterfragung wird immer wichtiger.

Es fängt schon bei der Definition des Wortes “Freund” an. In der digitalen Welt ist dies für mich eher ein “Kontakt” bzw. Teil eines Netzwerks von Kontakten mit denen man untereinander erfolgreicher ist. Freunde kann man doch nicht einfach per Empfehlungsfunktion von Facebook verdoppeln und kopieren wie eine MP3! Sie sind für mich heute genauso rar wie “damals”. Wer 378 “Freunde” bei Facebook hat kann immernoch völlig alleine in der realen Welt darstehen und sich eine Person wünschen auf die er sich verlassen kann. Vielleicht hat die Person der ich mehr “Freunde” empfehlen soll ja auch dieses Verständnis und hat nur die engsten Vertrauten im direkten Wortsinn des “Freundes” in ihrer Kontaktliste.

Und genau hier liegt der Punkt, an dem sich die Medienkompetenz jedes Einzelnen festmacht. Schafft man es einen Nutzen aus den neu verfügbaren Möglichkeiten zu ziehen und sich darüber abzuheben oder schwimmt man in der Masse mit? Der adäquate Umgang und die Wahrung einer kritischen Haltung wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Schafft man dies nicht, dann geht jede Kritikfähigkeit verloren.

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Twitter – ein kurzer Statusbericht

Freitag, 14. August 2009 11:56

Im Rahmen meiner Bachelorthesis beschäftige ich mich momentan intensiv mit der Materie “digitale Kommunikationsstategien”. Twitter ist daher bei mir keine Unbekannte. Bisher sah ich jedoch keinen direkten Anlass für einen Twitter-Account.

Diese Meinung habe ich, unter anderem wegen neuen Erkenntnissen aus der Recherche, mitlerweile geändert. Ich möchte kurz schildern, was mir an Twitter bisher ausgefallen ist – positiv wie negativ. Natürlich sollen meine nachfolgenden Aspekte keinerlei “Vorschriften” darstellen, wie es sich meiner Meinung nach gehört Twitter zu benutzen. Vielmehr soll es eine Art Empfehlung darstellen wie man in meinen Augen einen wirklichen Nutzen aus diesem Dienst ziehen kann.

Positiv

  • Viele Institutionen aus dem Bereich “digitale Kommunikation” sind bei Twitter.
  • Man erhält Infos die man nicht per RSS erhalten würde, da sie zu knapp für einen Blogartikel sind.
  • Dort kursieren anderen Formen von Nachrichten, eher Hinweise & Empfehlungen (logische Folge da nur 140 Zeichen) – auf den Punkt. Meist ein Satz mit Link.
  • Schnelligkeit – News sind ohne Verzögerung im Umlauf.
  • Kumpelartiger Umgang trotz fremder Leute. Offen für Nachfragen.
  • Sehr geprägt durch persönliche Empfehlung. Eine Person steht direkt hinter einer Aussage und wird damit in Verbindung gebracht.
  • Mit entsprechender (Desktop-)Applikation muss man nach einem Großteil der informationen nicht mehr aktiv suchen sondern erhält sie z.B. integriert beim browsen. (Kein Wechsel zu RSS z.B.)

Negativ

  • Viel Spam, fragwürdige Follower.
  • Man schreibt voneinander ab, viele doppelte Infos.
  • Viele Accounts haben keine echte Daseinsberechtigung, da sie nur das weiterleiten was der andere schon verbreitet.
  • “Mißbrauch” als öffenlicher Chat.

Entsprechend dieser Punkte ist bei mir die Nutzung dieses Dienstes geprägt. Ich sehe es als Erweiterung für einen Blogartikel und meinen RSS-Reader. Wo ein Artikel zu sperrig wäre, kommt Twitter zum Einsatz. Dabei versuche ich die oben genannten Punkte zu berücksichtigen. Am wichtigsten erscheint mir hierbei der Faktor “wirklich neuer Input”. Nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich absolut interessant ist, leite ich Infos weiter. Vielmehr versuche ich meine Eindrücke zu fixieren und anderen zugänglich zu machen.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon