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Youtube und die neuentdeckte Kreativität über den Videocontent hinaus

Dienstag, 9. November 2010 12:21

Jeder halbwegs an Youtube interessierte User kennt noch die fünf-Sterne-Bewertungsfunktion von Youtube. Diese wurde ja bekanntlich vor einiger Zeit abgeschafft und durch eine noch einfachere Methode abgelöst: Daumen hoch oder runter für das, was man gerade gesehen hat. Im Zuge dieser Umstellung wurde auch die Möglichkeit eingeführt, für einzelne Kommentare seine Stimme abzugeben. Somit konnte den Aussagen ab diesem Zeitpunkt endlich eine Qualität durch die User selbst gegeben werden. Denn durch positive Bewertung eines Kommentars wird die chronologische Reihenfolge überschrieben und er gelangt an oberste Stelle.

Dieses Schauspiel schaue ich mir jetzt schon einige Zeit an und muss sagen: Das neue Bewertungssystem hat eine komplett neue Dynamik in die Youtube-Community gebracht. Ein User mit einem passenden Kommentar wird nun dadurch “belohnt”, dass ihn andere User nach oben werten können und er dadurch eine stärkere Relevanz erhält. Vor dieser Änderung fanden gute und/oder witzige Kommentare nur zufällig Berücksichtigung da sie chronologisch geordnet waren.

Auffällig ist, dass die besten (also die mit den meisten positiven Bewertungen) Kommentare oft einen sehr speziellen Humor aufweisen. Auf vielfältige Weise stehen sie in Bezug zum Inhalt des Videos und verleihen den Bildern eine zusätziche Note. Dies geschieht entweder direkt (bestbewerteter Kommentar zu einem Musikvideo):

oder auch zwischen den Zeilen (hier ein Kommentar, wo ein User sich zum quietschenden Stuhl des Video-Bloggers auslässt):

Diese beiden Beispiele (und ihr werdet sicher noch unzählige weitere haben) zeigen, was die Umstellung seitens Youtube mit der Dynamik der Community gemacht hat. Es ist ja seit Jahren bekannt, dass nur ein kleiner Teil der User wirklich aktiv Inhalte zum Social Web beisteuert. Die überwiegende Mehrheit hört nur zu oder postet vielleicht noch einen Kommentar.

Das System von Youtube setzt genau da an und ermuntert sozusagen regelrecht zum Mitmachen. Videos laden die wenigsten hoch. Schon wesentlich mehr kommentieren aber die Inhalte. Wenn man das auch nicht möchte, kann man immerhin noch über das Video oder den Kommentar abstimmen. Zusätzlich zu den Usern die sowieso eigene Videos hochladen und damit ihre Kreativität unter Beweis stellen, werden nun aber auch weitere User aktiviert. Immerhin besteht die Möglichkeit, durch einen treffenden Kommentar an die Spitze zu gelangen und damit Aufmerksamkeit zu erhalten.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon

Gewalt im Iran & die freie Meinung

Mittwoch, 24. Juni 2009 12:21

Nach der umstrittenen Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad im Iran halten die Proteste gegen die Regierung an. Unter Lebensgefahr leisten die Gegner immer noch erbitterten Widerstand gegen das umstrittene Wahlergebnis.

Ich möchte dies zum Anlasse nehmen um in diesem Zusammenhang über die zunehmende Verschmelzung, Atomisierung und ständige Verfügbarkeit der Medien zu schreiben. Bitkom nennt es z.B. die „Metatrends“ (Achtung, PDF). Wie das aktuelle und leider auch erschreckende Beispiel zeigt lassen sich die Nutzer von Medien nicht mehr wirkungsvoll bevormunden und lenken. Vielfach wurde bereits im Bezug auf Entertainment darüber gesprochen. Im Iran kann man dieses Phänomen und die Auswirkungen nun aber im Ernstfall beobachten.

Mit aller Gewalt versucht die iranische Regierung Meldungen über die eskalierte Lage zu unterdrücken – ohne Erfolg. Mehrfach wurde bereits über Twitter als Medium der Wahl für die Protestbewegung berichtet, da u.a. Handynetze gestört werden um die Kommunikation zu erschweren.

Immer mehr Nachrichten dringen nach außen und die Welt erhält einen multimedialen Einblick in die Lage vor Ort. Die entsprechenden Plattformen wie Facebook (jetzt auch auf persisch), Googles Sprachtools (auch auf persisch) oder Youtube (mit Citizentube) leisten ihren ganz eigenen Beitrag zur Verwässerung der Autorität des Staates. Noch vor zehn Jahren wäre ein solch großes Publikum für einen einfachen Bürger undenkbar. Jetzt in der Krise profitieren sie davon und können sich immenses Gehör verschaffen. Die Zugriffszahlen auf die Videos bestätigen das riesige öffentliche Interesse indes nur.

Dies zeigt sehr anschaulich wie dicht und vielfältig das Netz aus den verschiedensten Medienkanälen bereits ist. Es ist nicht mehr möglich den Drang zu unterdrücken sich mitzuteilen und eine ungefilterte Botschaft zu versenden. Selbst wenn eine Möglichkeit unterbunden würde stünden eine Vielzahl weiterer Kanäle bereit oder werden selbst geschaffen.

Thema: Gedanken | Kommentare deaktiviert | Autor: Simon